In Augsburg hat der Bildhauer Adriaen de Vries seine ersten Meisterleistungen geschaffen, hier begann seine Karriere, die ihm Aufträge des europäischen Hochadels von Spanien bis Dänemark einbringen sollte. Lange war sein Ruhm von dem seines Lehrers Giambologna überschattet, geändert hat sich das erst durch die Retrospektive im Amsterdamer Rijksmuseum vor zwei Jahren. Im frisch restaurierten Maximilianmuseum in Augsburg wird diese neue Wertschätzung durch künstlerische Argumente untermauert (Adriaen de Vries: Augsburgs Glanz - Europas Ruhm, bis 12. Juni, Katalog 64,- DM, www.adriaen-de-vries.com). Man hat den Bronzen von de Vries die Plastiken seines Lehrers und seiner Kollegen zur Seite gestellt, mit Leichtigkeit geht er aus diesem Wettbewerb als Sieger hervor. Augsburg eignet sich für solch ein vergleichendes Sehen vorzüglich, stammen doch zwei der monumentalen Brunnen der Altstadt von de Vries. Er ist ein Meister der Oberfläche und der "Allansichtigkeit", wie sie damals als Ideal von der Rundplastik gefordert wurde, und ein Genie in der Darstellung einer mehrfigurigen komplexen Handlung. Schwebende Leichtigkeit, tänzerische Eleganz und kraftstrotzende Energie bündelt er zu ausdrucksstarken Szenerien.

Ob das die Bändigung des Farnesischen Stiers ist oder die Tötung der mehrköpfigen Hydra durch Herkules oder ein tanzender Faun, der sich mit einer elegant-geschmeidigen Körperdrehung der leider nicht mehr vorhandenen Nymphe zuwendet, nie fehlt der Blickkontakt und trotz aller Kühnheit der vielfach sich überschneidenden und verschränkten Bewegungen nie die stabile Mittelachse.