Hans Christian Andersen: Reise von Leipzig nach Dresden und in die Sächsische Schweiz, mit zeitg. Abbildungen Insel Verlag, Frankfurt a. M. 2000 71 S., 19,80 DM Nicht einmal die kleinste Erläuterung hat der Verlag diesem rätselhaft schönen Text gegönnt, der auf einer anonymen deutschen Ausgabe von 1847 beruht. Hans Christian Andersen war blutjung, als er 1831 seine Fußreise unternahm. Die Sächsische Schweiz raunt ihm wolfsschluchtartig von Naturschrecken und Kriegen. Das Leipziger Völkerschlachtfeld ist eine Schädelstätte. In den Wirtshäusern traf Andersen auf Frauenzimmer, die "sangen mit etwas kreischender Stimme: ,Mein Herz, mein Herz, warum so traurig?'" Und Ludwig Tieck gab ihm einen Brief als Andenken mit: "Kehren Sie uns bald einmal frisch, gesund und reichbegabt von den Musen nach Deutschland zurück." So ist es auch gekommen.

D. Magnus Ausonius: Mosella Lateinisch/Deutsch hrsg. und übersetzt von Otto Schönberger Reclam, Stuttgart 2000 111 S., 5,- DM Das Preisgedicht auf die Mosel, das der gallische Rhetorikprofessor und Statthalter Ausonius in der Mitte des 4. Jahrhunderts verfasst hat, glitzert mit Zitaten der Klassiker. Auch hier finden wir eine Schädelstätte, sie bezeichnet den Sieg der Römer über die Gallier vier Jahrhunderte früher. Dass die luxuriösen Uferstädte bald selbst untergehen könnten, davon will der Dichter nichts wissen. Ein kulturoptimistischer Kurzführer in die spätrömische Provinz.