Tierschützer in Großbritannien haben eine neue Protestmethode entdeckt: Sie beschweren sich direkt bei den Aktionären. Im Falle der Huntingdon Life Sciences Group (HLS) aus Alconbury bei Cambridge - des angeblich größten Tierversuchslabors in Europa - geht es sogar um deutlich mehr als Beschwerden: Militante Tierversuchs- und Jagdgegner haben alle HLS-Aktionäre schriftlich aufgefordert, ihre Papiere bis Freitag zu verkaufen. Andernfalls drohen ihnen "24-Stunden-Überraschungsproteste" vor der eigenen Haustür. Zwar wollen die Organisatoren nach eigener Angabe nur "friedlich" protestieren - und zum Beispiel Pamphlete über die "barbarische" Form der Geldanlage bei den Nachbarn verteilen. Trotzdem haben etliche Kleinaktionäre ihre Firma und die Polizei schon um Schutz vor möglichen Randalen gebeten, und Firmenchef Brian Cass fordert die Einrichtung einer "nationalen Polizeieinheit" zum Aktionärsschutz.

Viele Anleger haben tatsächlich verkauft: Der HLS-Aktienkurs fiel von 20 Pence auf zwischenzeitlich 13 Pence. Die Ironie ist, dass die Tierversuchsgegner damit erst recht das Aktionärsinteresse an der Firma angefacht haben. "Der niedrige Kurs wird von vielen als Kaufgelegenheit gesehen", sagt der Unternehmenssprecher, "während alte verschreckte Mütterchen ihre Papiere jetzt zu einem schlechten Kurs abstoßen." Damit könnte er Recht haben: Vor ein paar Wochen hatten Aktivisten eine Londoner Anlagegesellschaft mit Todesdrohungen zum Verkauf ihrer Anteile an HLS getrieben. Die Aktie fiel kurzfristig auf fünf Pence - bloß um ihren Wert darauf zu verfünffachen. "Da haben eine Menge Leute eine Menge Geld gemacht", heißt es bei HLS.