In Sachen Atomausstieg nähert sich das Gerangel zwischen der Bundesregierung und den Meilerbetreibern einem Ende. Doch selbst wenn Kanzler Gerhard Schröder demnächst stolz verkündet, man habe sich geeinigt, ist er den Ärger nicht los. Auf der Matte stehen bereits die Beschäftigten der AKW-Betreiber und Lokalpolitiker aus dem Umfeld der von Rot-Grün unerwünschten Atomkraftwerke. Erstere fürchten um ihre Arbeitsplätze, Letztere um den wirtschaftlichen Niedergang ihres Wahlbezirks. Rund 40 000 Jobs, behaupten Stromerzeuger wie Gewerkschafter, könnten dem Ausstieg zum Opfer fallen.

Nun bekommt Schröder unerwartet Hilfe von Greenpeace. Obwohl die Ökoaktivisten das rot-grüne Ausstiegstempo noch immer für zu lahm halten, versuchen sie ganz im Sinne der Regierung die Jobängste der AKW-Angestellten zu zerstreuen. Nicht feige, wollen sich Greenpeace-Streiter schon bald der Debatte mit den Beschäftigten stellen: Am liebsten in Stade an der Elbe, wo möglicherweise das erste AKW vom Netz genommen wird. Dann wird auch Olav Hohmeyer Rede und Antwort stehen. Im Auftrag von Greenpeace hat der Flensburger Professor Überraschendes herausgefunden: Richtig organisiert, kostet der Atomausstieg nicht nur keine Jobs, er schafft sogar noch welche.

"Deutlich positiv" seien die "Nettobeschäftigungswirkungen", heißt es in Hohmeyers Expertise, per saldo würden über einen Zeitraum von 25 Jahren nicht weniger als rund 25 000 Menschen zusätzlich beschäftigt. Der Grund: Der Nuklearstrom wird in seinem Szenario durch beschäftigungsintensivere Alternativen ersetzt, vor allem durch Strom aus regenerativen Energiequellen sowie durch Energieeinsparung, was entsprechende Beratung erfordert.

Fragt sich allerdings, ob die neuen Arbeitsplätze ausgerechnet dort entstehen, wo die alten überflüssig werden. Gerade dort, meint Hohmeyer, wenn die Politik ein wenig nachhelfe. Besonders gute Chancen hätten übrigens jene Standorte, die sich als erste von der Atomkraft verabschieden - wie Stade.