Er bewegt sich doch, der französische Stromriese EdF, vor dem die deutschen Konkurrenten so viel Angst haben - wenn auch in Trippelschritten. Im vergangenen Jahr war der Chef des Staatsunternehmens, François Roussely, aufgefallen, weil er hin und wieder Wörter wie "Nachfragemanagement" und "Risikoanalyse" in den Mund nahm. Dieses Vokabular war den gut 114 000 Mitarbeitern von Electricité de France bisher unbekannt. Über die Jahrzehnte hatte man sich beim größten Stromkonzern der Welt daran gewöhnt, einfach so viel Strom wie möglich in aller Herren Länder zu liefern. Das war mehr, als die vier größten deutschen Stromerzeuger zusammen produzierten. Solange sich der französische Strommarkt nicht ausländischen Wettbewerbern öffnete, ließ es sich so hervorragend leben.

Inzwischen aber kann selbst Frankreich die Liberalisierung des Marktes nicht hinauszögern. Roussely plant, Teile von EdF, nämlich London Electricity und EdF International, an die Börse zu bringen. Eine Ankündigung, EdF zu privatisieren, sei das jedoch nicht. Roussely: "Öffentlicher Dienst und Wettbewerb schließen einander nicht aus." Eine Privatisierung sei erst in vielleicht zehn Jahren denkbar.

Mit dem Börsengang einiger Filialen will Roussely die Expansion im Ausland beschleunigen. Zwar macht EdF dort schon heute 18 Prozent seines Umsatzes, bis zum Jahr 2005 soll dieser Anteil aber auf die Hälfte wachsen.

Tochtergesellschaften außerhalb Frankreichs sollen als Sprungbrett für neue Übernahmen dienen. Dabei denkt Roussely auch an die Energie Baden-Württemberg (EnBW), bei der sich sein Unternehmen gerade mit 25,1 Prozent eingekauft hat.

Frankreichs Stromriese wird also noch von sich hören machen. Wie zur Entschuldigung sagte Roussely neulich: "Wir müssen uns doch nicht wegen unserer Größe schämen."