Kaifu, Miyazawa, Hosokawa, Murayama, Hashimoto, Obuchi und jetzt Mori - so heißen die japanischen Premierminister der letzten zehn Jahre. Sie kommen und gehen, und selbst wenn die Umstände ihrer Wachablösung so dramatisch sind wie am vergangenen Wochenende, als ein lebensbedrohlicher Gehirnschlag den alten Premier traf, während gleichzeitig ein Vulkanausbruch die Bürger verängstigte, dann herrscht im Inselreich noch lange keine Aufregung: Ehe man sich versieht, hat die zweitgrößte Industrienation der Welt schon wieder einen neuen Regierungschef.

Man nennt das zu Deutsch Parteiendemokratie, weil die Person in kaum einem anderen demokratischen Land so wenig und die Partei so viel zählt. In Japan haben es die regierenden Liberaldemokraten zu einer wahren Meisterschaft in der Erzeugung profilloser Politiker gebracht.

Immer wieder setzen sie den Profillosesten unter ihnen an die Spitze: Auch den neuen Premier Yoshiro Mori zeichnet vor allem die Eigenschaft aus, bisher nicht aufgefallen zu sein. Die Wähler mögen das, da sie der Politik misstrauen und starke Männer verabscheuen. So mogelt sich Japan durch: bis auf den Buchstaben verfassungstreu, cool demokratisch und wohl wissend, dass große Politiker nicht immer große Taten vollbringen - viel öfter das Gegenteil.*