Drei Oscars an die CDU für diese perfekte religiöse Inszenierung. Da weichen plötzlich raubeinige, in zahlreichen politischen Schlachten erprobte und gehärtete Kämpfer aus der Führungsspitze lammfromm, widerspruchslos und scheu zur Seite, um ehrfürchtig Platz zu machen für die Prozession der Angela Merkel hin zum höchsten Thron, den die Partei zu vergeben hat. Weil sie "eine moderne Frau ist" (Stoiber mit schmerzlichem Gesichtsausdruck)? Weil sie "eine unkonventionelle Sprache spricht" (Blüm, fröhlich)? Weil beim "Hineinhorchen in die Basis" (welche demokratische Innovation) ein Raunen zu hören war? Diese Begründungen soll einer diesen ausgekochten Politprofis glauben. Die Wahrheit ist in der ZEIT zu lesen ("Dunkelmänner beim Kaffeeklatsch"): Alle wissen, dass in den nächsten Monaten aus der Munitionskiste von Herrn Schreiber noch düstere Dinge zu erwarten sind - und keiner weiß, wen es dann trifft. Was es jetzt an der Spitze braucht, ist nicht politisches Profil, sondern nur eines: Angela Immaculata, die unbefleckte Himmelskönigin, die Reine, Pfarrerstochter, das Mädchen. So - und nur so - kann man jetzt eine Wahl gewinnen. Und wenn dann die Stürme vorübergezogen sein werden und die Zeit kommt, einen Kanzler zu küren, dann wird sich der andere Teil ihrer Erwählung erfüllen: "Siehe, ich bin des Herrn Magd".

Gerhard Simpfendörfer Wüstenrot