Lima

Die Rechnung ist ausgestellt, nun muss sie nur noch beglichen werden." Diese verdeckte Morddrohung bekam Edmundo Cruz, Reporter der peruanischen Oppositionszeitung La República am 4. April 1997. Zuvor hatte er Pläne des Geheimdienstes enthüllt, Journalisten einzuschüchtern.

Edmundo Cruz lebt noch. Er arbeitet in der Rechercheabteilung von La República. Seite an Seite mit der Zeitschrift Caretas kämpft sie gegen Präsident Alberto Fujimori, der sich derzeit um eine (illegale) dritte Amtszeit bewirbt. In den vergangenen zehn Jahren hat Fujimori seine Gegner brutal ausgeschaltet.

Der japanischstämmige Agraringenieur war 1990 gegen den Schriftsteller Mario Vargas Llosa angetreten. Vargas Llosa führte ein Rechtsbündnis an, welches das korrupte sozialistische System von Alan Garcia beerben wollte. Fujimori selber hatte keine Partei

seine Bürgervereinigung Cambio 90 wurde unterstützt von Kleinunternehmen und von der evangelischen Kirche Perus.

Fujimori versprach "Ehrlichkeit, Effizienz, Technologie". Seine Umfragewerte lagen vier Wochen vor den Wahlen bei null Prozent. Am Wahltag aber wurde er Zweiter nach Vargas Llosa. Die Linke rief ihre Wähler dazu auf, in der Stichwahl für Fujimori zu stimmen. Sie wollte eine Regierung Vargas Llosa und dessen angekündigte neoliberale Wirtschaftspolitik verhindern.

Fujimori gewann. Auch Edmundo Cruz' La República jubelte. Aber die Jubelstimmung in der Redaktion hielt nicht lange an: Der neue Präsident präsentierte einen Monat nach seiner Amtsübernahme ein rigoroses Stabilisierungs- und Anpassungsprogramm. Der "Fujischock" veränderte Peru fundamental. Als Fujimori sein Amt antrat, lebten sieben Millionen Peruaner unter dem Existenzminimum, Ende desselben Jahres waren es zwölf Millionen.