In die Sauna mit einem Kleinkind? Pipi-Pfützen auf finnischen Weichholzlatten? Entspannte Plauderei im Kräuterdampf (Warum ist die Frau so dick, Mama?) ...? Eine Mutter-Kleinkind-Sauna erscheint so sinnvoll wie Schweigeexerzitien für einen Säugling.

Aber vielleicht erhofft sich das Stadionbad im schwäbischen Ludwigsburg gerade durch dieses Paradoxon einen stärkeren Besucherstrom. Öffentliche Schwimmbäder sind ja der Inbegriff des Defizitären.

Also die 1,5-Liter-Flasche Wasser (das Baby soll anschließend viel trinken) und ein paar Match-Box-Autos eingepackt, die Samuel, zweieinhalb Jahre alt, von dem Gedanken ablenken sollen, aus dem Schwitzkasten zu fliehen. Eine blöde Idee übrigens. Die Metallautos werden in der Sauna so heiß, dass Mama auch noch einen Kanister Kühlwasser oder Topflappen parat haben muss. Dann lieber Holzbagger einstecken. Die machen sich sowieso besser im Blockhausambiente.

Vom Hallenbad führt eine steile Wendeltreppe auf das Dach des Flachbaus. Man muss nur eine Glastür aufdrücken, schon steht der Saunafreund im Freien - an der Hand den bibbernden Bademantelwicht. Die Absperrungen und das Drehkreuz erinnern an die Sicherheitssperren an Flughäfen.

Hat man Kind und Sporttasche aus den Metallfingern der Drehtür geheddert, gilt es, in dem kleinen Blockhausdorf auf dem Dach die richtige Sauna zu finden. Die üblichen 90 Grad Celsius sind für Babys zu heiß, empfohlen werden 75 Grad. Beim ersten Häuschen rechts sind wir an der richtigen Adresse. Die Softsauna ist im Ludwigsburger Stadionbad jeden Dienstag für Babys und Begleitung geöffnet.

Wer aber hofft, auf den Bänken eine Art nackte Krabbelgruppe vorzufinden, wird enttäuscht. Die Sauna ist in diesen fünf Stunden keineswegs für Mütter und Kinder reserviert. Auf den obersten Bänken dösen zwei Männer, die schon lange kein Kindergeld mehr beziehen. Die Frau, ein Fach tiefer, könnte noch als Oma durchgehen, schwitzt aber ohne Enkel. Allein Marco, 15 Monate, und seine Mutter erfüllen die Kriterien. Die beiden sind Stammgäste, seitdem der Junge ein Vierteljahr alt ist. Sie erinnert sich, dass sie den Säugling sogar in der Hitze gestillt hat.

Während die Erwachsenen schlapp vor sich hindünsten, spielt das nackte Baby mit der Gummimatte auf dem Boden. Immer schnappt sie zurück, wenn Marco sie aufrollen möchte. Trotz der harten Arbeit perlt nicht ein einziger Schweißtropfen über seine Haut. Der Babyspeck erscheint nur rosiger als vorher. Für den Fall, dass Marco auf den Holzplanken ein spontanes Geschäft verrichtet, hält seine Mutter ein zusätzliches Handtuch bereit.