die zeit: Herr Ministerpräsident Stoiber, was haben Sie Altbundeskanzler Helmut Kohl zu seinem Geburtstag gewünscht?

Edmund Stoiber: Ich habe ihm alles Gute gewünscht, Gesundheit und Wohlergehen und dass er diese persönlich schwierige Situation meistert. Und ich habe zum Ausdruck gebracht, dass seine 16 Jahre als Bundeskanzler als eine gute Zeit im Gedächtnis bleiben werden.

zeit: Wird es für Kohl ein Comeback geben?

Stoiber: Helmut Kohl hat erklärt, er wolle sein Mandat noch bis zum Ende der Legislaturperiode erfüllen, das heißt, er ist auf dem Weg zum Altenteil. Am Ende des Jahres 2002 wird er kein aktiver Politiker mehr sein.

zeit: Auch Parteifreunde Kohls sehen den Kern der Krise nicht so sehr in den schwarzen Kassen als in den demokratischen Defiziten seiner Herrschaft. Wie haben Sie aus der Münchner Perspektive das "System Kohl" wahrgenommen?

Stoiber: Ich rede nicht vom "System Kohl". Die CDU hatte mit Helmut Kohl eine dominante Persönlichkeit an der Spitze. Hinter seinen großen Erfolgen sind sicher auch manche Defizite verblasst, und es ist weniger diskutiert worden als in der CSU. Kurt Biedenkopf, der eine zu geringe Diskussionskultur seiner Partei schon zu Zeiten von Kohl beklagt hatte, wirft das übrigens weniger ihm vor als denjenigen, die diesen Zustand jahrelang akzeptiert haben. Ich selbst habe meine Meinung gegenüber Helmut Kohl immer vertreten.

zeit: Hat sich die CDU zu lange und zu selbstquälerisch mit der Affäre beschäftigt?