Jetzt gibt es eine neue Übersetzung von Manzonis berühmten Verlobten. Die Brautleute heißt der Roman nun und ist, in dieser neuen Fassung und ohne dass man ältere Übersetzungen deshalb groß schmähen müsste, das reinste Vergnügen und auf Anhieb die glänzendste Bekehrung aller, die bisher, sooft sie sich daran womöglich versucht haben, immer wieder Reißaus genommen haben vor all diesen Betulichkeiten und lästig abgetanen Eigenheiten, mit denen ihnen alte Romane von so gewaltig beeindruckendem Ruhm und dazu noch so einschüchterndem Umfang nach wenigen Seiten alle Lus t am Weiterlesen schrecklich versalzen konnten.

Burkhart Kroeber vermeidet nicht nur alle "selbanders" und wie diese altfränkischen übersetzerischen Notbehelfe lauten mögen, wenn es, wie bei Manzoni, nicht bloß um einen älteren Roman geht (1827 in erster, 1840 in endgültiger Fassung), sondern noch dazu um einen, der seinerseits in noch älteren Zeiten spielt, nämlich 200 Jahre zurück wieder, er beginnt 1628

und Kroeber findet, indem er sich unabhängig von allen vorgefassten Meinungen über die deutsche Sprache an das italienische Original hält, einen Stil, der wie mit einem Zauberschlag allen Staub alter, falscher Gemächlichkeit verloren hat und wunderbar geschmeidig, elegant und, wo es richtig ist, hart und witzig sein kann

vor allem lange Sätze werden nicht aufgelöst in lauter kleine Sätze, wie sie kein vernünftiger deutscher Autor an Manzonis Stelle je geschrieben hätte, sondern sie bleiben lang, sie behalten ihren spürbaren Atem und bringen von Anfang an in den Text eine herrliche Spannung, die mit Vergnügen ahnen lässt, dass wir mit diesem Erzähler einen langen Weg sehr gern gehen wollen.

Schön in diesem Zusammenhang, dass der Verlag das halbe Tausend Bilderchen weggelassen hat, mit dem Manzonis Ausgabe von 1840 versehen war und die noch Junkers an sich schöne Übersetzung von 1960, die die wenigen benutzt haben werden, die das Buch kennen, bei Winkler und dtv mitgeschleppt hatte. Bis auf sehr wenige Ausnahmen, wo, in manchen Landschaften etwa, Doré zu ahnen war, hemmen all diese Illustrationen, egal, wie sie seinerzeit gewirkt haben werden, heute erheblich den Fluss einer Fantasie, die seither durch tausend Leseerfahrungen heftig erneuert und erfrischt worden ist und jetzt durch Kroebers Text ganz anders entfesselt wird als jemals vorher von den deutschen Versionen dieses Buchs.

Kroeber spricht geradezu von einer filmischen Gestik der Sprache Manzonis: Ähnlich, sagt er, wie Eisenstein davon sprach, Dickens habe das filmische Sehen gelehrt