Wer über einen Stau spricht, redet über eine einfache Sache: Menschen müssen warten, stecken irgendwo fest, kommen nicht weiter und ärgern sich darüber. Wer also nach Lösungen sucht, um den Ärger der Menschen über den Stau zu mildern, muss zu ebenso einfachen Mitteln greifen: Lenke die Menschen ab, oder erkläre ihnen den Grund für den Stau.

Das ändert zwar überhaupt nichts an der Wartezeit, aber die Leute entspannen sich. Manche werden gar fröhlich. Nein, komplizierter tickt der Mensch im Stau nicht. Auf alle Fälle gibt es bereits viele Menschen, die sich darüber Gedanken machen, wie man den Ärger im Stau entschärfen kann. Diese Art der Ablenkung hat bereits einen Namen, natürlich einen amerikanischen, und heißt Queuing-Entertainment.

Geprägt wurde er - Überraschung! - von den Betreibern der Disneyparks und -worlds und -lands. Das jüngste Beispiel in Deutschland, wo Queuing-Entertainment betrieben werden wird, ist der Bau der neuen U-Bahn vom Lehrter Bahnhof zum Alexanderplatz, also quer durch Berlin-Mitte. Damit sich die Leute nicht ärgern, muss man ihnen was bieten.

Vor der Achterbahn schnell noch durch die Galaxie

Wann genau mit dem Bau begonnen wird, in ein paar Monaten oder erst in fünf, sechs Jahren, steht noch nicht fest, nur dass die neue Linie kommen wird und mit ihr jahrelanger Stau, das steht fest. Und was sich der Berliner Bausenat ausgedacht hat, um die Menschen in ihrem Ärger abzulenken, auch.

Da gibt es konkrete Überlegungen, Videoleinwände über der Friedrichstraße und Unter den Linden zu spannen, damit die Autofahrer, während sie sich allmorgendlich Zentimeter um Zentimeter vorkämpfen, sehen können, wie sich unter der Erde eine riesige Maschine, wie sie sonst im Bergbau verwendet wird, ebenfalls Zentimeter um Zentimeter durchs Erdreich vorkämpft. Weil da kein Mensch mehr arbeitet, würde auf der ferngesteuerten Maschine eine Kamera installiert.

Und dann der neuralgische Punkt: die Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden. Die wird komplett gesperrt, nur Fußgänger können sie überqueren. Und statt für sie eine einfache Holzbrücke zu bauen, denkt der Senat an eine gläserne Röhre, damit die Fußgänger die Bauarbeiten beobachten können. Denn so ein U-Bahn-Bau ist ja auch eine unheimliche Leistung des Ingenieurhandwerks, sagt die Pressesprecherin des Bausenators Peter Strieder, so was sieht man nicht alle Tage.