Leonhard Harding: Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert

Oldenbourg Verlag, München 1999

272 S., 38,- DM

"Was machen Sie eigentlich noch außer Afrika?", fragte mich erst kürzlich wieder ein jeder Ironie unverdächtiger Professor für neuere, also deutsche Geschichte. Denn noch immer gilt in der Zunft deutscher Historiker zwar als breit ausgewiesen, wer seine Forschungsschwerpunkte etwa im Kaiserreich und in der DDR-Geschichte hat - die Beschäftigung mit fast 50 Ländern südlich der Sahara über mehrere Jahrhunderte hinweg wird dagegen in der Regel als exotisches Laster angesehen, dem allenfalls ergänzend zu frönen sei.

International, vor allem in den USA, ist afrikanische Geschichte seit langem eine anerkannte, stark diversifizierte historische Teildisziplin.

Ein Blick in Leonhard Hardings kompakte Einführung in die Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert sollte nun auch in Deutschland den Eindruck korrigieren, die Erforschung Afrikas könne gleichsam nebenbei erledigt werden. Das Buch verdeutlicht eindrücklich die selbst für Experten kaum noch überschaubare Vielfalt der Themen und Methoden in diesem Bereich der Geschichtswissenschaft. Dem Autor gelingt es dabei, oft hoch komplexe Zusammenhänge in einer Weise darzustellen, die auch dem Nichtspezialisten noch verständlich bleibt.

Nach dem bewährten Muster der Reihe "Grundriß der Geschichte" bietet Harding zunächst einen knappen Überblick der wichtigsten Entwicklungen in Afrika seit 1800. Dazu zählen Staatsgründungen und Expansionskriege im frühen 19.