Auf dem Relief unten am Denkmal setzen Truppen Ludwigs XIV. über den Rhein

Ludwig ist auch der römisch kostümierte Reiter auf dem Sockel. Der ganze, jetzt runde, ursprünglich hufeisenförmige Platz ist seinen Siegen gewidmet: Place des Victoires, von Jules Hardouin-Mansart, dem Erbauer des Invalidendoms, als Rahmen für ein aufwändiges Standbild des Herrschers entworfen und 1686 eröffnet, aber erst im frühen 18. Jahrhundert fertig gestellt. Die Statue, von Martin Desjardins, wurde während der Revolution umgestürzt, das heutige Monument, ein Werk Bosios, 1822 aufgestellt. Seither haben Straßen die Geschlossenheit des Platzes unterbrochen, die Fassaden, aus Rustikabasis, zweigeschossiger Pilasterordnung und Dachmansarden bestehend, wirken teilweise vereinfacht.

Heute logieren hier Luxusläden: Schmuck, Mode, Accessoires, japanische Haute Couture. Am Haus Nummer 10, wo auch der Malteserorden einen Stützpunkt hat, ein unauffälliges Glasschild: "Centre Allemand d'Histoire de l'Art". Seit letztem Juli residiert dahinter das Deutsche Forum für Kunstgeschichte. Seit 1997 arbeitend, wird es vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft gefördert und durch private Stifter unterstützt. Und setzt sich zur Aufgabe, die deutsch-französischen Beziehungen in der Kunst zu erforschen, Wissenschaftler und Methoden beider Länder einander näher zu bringen, sie auch für bestimmte Vorhaben zu koordinieren. Warum immer nur Italia und Germania, hatte man sich, noch in Bonn, mit Blick auf die Bibliotheca Hertziana in Rom und das Deutsche Kunsthistorische Institut zu Florenz gefragt. Wieso nicht auch Paris, das zumindest in der neueren Kunst, aber auch im Mittelalter und Absolutismus eine ebenso wichtige Rolle für Deutschland gespielt hat?

Französisches "Patrimoine", deutsche Gegenwartskunst

Mit jenen berühmten Institutionen kann und will man sich freilich nicht messen, lieber mit leichtem Gepäck arbeiten, beweglich bleiben, Austausch bewirken. Die Umgebung ist ideal, nicht nur als architektonische Verflechtung von Kunst und Macht: der Platz selbst und die Kirche Notre-Dame des Victoires, das barocke Palais Royal, die Banque de France von Robert de Cotte und die klassizistische Börse Brongniarts. Auch die frühere Bibliothèque Nationale liegt nebenan, in der ein französisches Zentralinstitut für Kunstgeschichte mit Fachbibliothek, Sammlungen und Graduiertenausbildung entsteht, das dem Forum anfangs spontan Räume zur Verfügung gestellt hatte.

Solche kollegiale Zusammenarbeit ist inzwischen fast selbstverständlich geworden. Ein Beispiel: Anlässlich der erfolgreichen Ausstellung Le Maroc de Matisse im Arabischen Kulturinstitut (IMA) luden die Deutschen einen kundigen Franzosen zum Vortrag über jene Ausstellung islamischer Kunst, 1911 in München, ein, deren Besuch für Matisse und seine Malerei einen Wendepunkt bedeutete.

Das Forum hat in den oberen Sphären des Hauses zwei Etagen: unten Empfang, eine Handbibliothek im Aufbau und einen Veranstaltungsraum für Vorträge, Kolloquien, Seminare, darüber Arbeitsplätze für zehn bis zwölf Stipendiaten.