Es ist nicht schwer, einen echten New Yorker Yankee von einem Neuankömmling oder einem vorübergehenden Bewohner der Stadt zu unterscheiden: Echte New Yorker sind von der Vorstellung besessen, New York zu verlassen.

Ein echter New Yorker sinnt Tag und Nacht darüber nach, wie er aus der Stadt herauskommen kann. Es ist eine fixe Idee. Wenn man Gespräche darüber mit anhört, dass die Stadt einen in den Wahnsinn treibt, weiß man, dass die Gesprächsteilnehmer waschechte New Yorker sind. Solche Gespräche führen sie jeden Tag. New Yorker sind permament damit beschäftigt, zu planen und vorzubereiten, wie sie sich aus dem Staub machen wollen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit bekunden sie, dass sie wild entschlossen seien, den Staub New Yorks von ihren Füßen zu schütteln. Die Stadt hinter sich zu lassen. Den Stress.

Die Anspannung. Den Job, den Vorgesetzten, die Menschenmengen, den Konkurrenzkampf. Es gibt so vieles, was man hinter sich lassen möchte.

Es gibt die Nachbarn in dieser dicht bevölkerten Stadt, die man hinter sich lassen möchte. Und die eigene Wohnung. Keine Wohnung in New York ist je die richtige. Jede hat ihre Nachteile. Einer meiner Freunde hört jeden Laut aus dem nachbarlichen Schlafzimmer. Er hört die Liebesgeräusche der Nachbarn und, was schlimmer ist, ihre Streitigkeiten. Ansonsten ist seine Wohnung vollkommen. Wohnt man in einem großen Gebäude, infiltrieren die Geräusche aus mehr als einer Wohnung die eigenen Räume. Und die eigene Psyche. Vor allem nachts.

Manche müssen den Lärm der Nachbarn durch selbst verursachten Lärm übertönen.

Sie kaufen Kassetten. Sie schlafen zur Begleitung von Ozeanwellen, die an den Strand klatschen, oder von Dschungel-, Wald- oder Berggeräuschen. Es ist ziemlich bizarr, mit dem Geräusch von Schimpansen zu schlafen, die in einem Regenwald an den Bäumen herumturnen, wenn man mitten in Manhattan lebt. Nicht weniger bizarr als Geräusche der Wildnis als Schlafhilfe ist die Musik, die einem in den meisten New Yorker Cafés und Restaurants aufgenötigt wird. Im East Village muss man Tanzmusik mit synthetischen Bässen ertragen, die als Folterinstrument unverzichtbar sein dürfte, wenngleich sie nur um weniges unerträglicher ist als Vivaldis Vier Jahreszeiten, die in jedem zweiten Etablissement quäken.

Ich weiß nicht, was der Sinn dieser Musik ist. In vielen Cafés versteht man die eigenen Worte nicht, und der Lärm in den Restaurants ist ohrenbetäubend.