Die Zeit: Moorpackungen, Ölguss, Aromatherapie - wonach suchen wir eigentlich, wenn wir in ein Wellness-Studio gehen?

Lutz Hertel: Es gibt in unserer heutigen Gesellschaft ein Defizit an Streicheleinheiten, sowohl körperlich als auch seelisch. Wellness-Tempel verkaufen Nähe. Die Menschen, die dort arbeiten, fassen uns so an, dass es gut tut.

Zeit: Massage als Liebesersatz?

Hertel: Nein, Massage als Weg dorthin. Massage beseitigt die soziale Isolation für dreißig Minuten. Noch wichtiger aber: Sie macht Lust auf mehr, gibt Körpergefühl zurück, schärft das Bewusstsein für das, was fehlt. Darum heißt es ja auch, dass sich der Mensch durch Wellness selbst erneuern kann.

Zeit: Ayurveda und Co. als Krönung des Egotrips.

Hertel: Es ist schon eine Art verdienter Narzissmus. Gerade Frauen haben es sich ja über Jahrhunderte zu wenig gut gehen lassen. Dennoch probieren sie heute sehr couragiert neue Wellness-Angebote aus. Männern fehlt da oft der Mut, etwa zum Fasten oder für ein Wellness-Hotel. Aber Wellness ist keinesfalls reiner Egoismus, es ist eher die Sinnstiftung des Egotrips.

Zeit: Denken Sie an Sinnsuche mit Duftkerzen?