Jetzt rebellieren sie wieder, die Schwachen und Entrechteten, die Gebeutelten und Zukurzgekommenen, die Aktienbesitzer und Spekulanten. Lärmend ziehen sie durch die Stadt, halten Spruchbänder hoch und protestieren gegen die niedrigen Kurse. Nur mit Gewalt konnte die Polizei sie daran hindern, den Börsensaal zu stürmen. Aktien seien eine prima Altersvorsorge, hatte man gesagt. Und jetzt steht der Index unter 5000.

Bislang beschränken sich die Unruhen auf Athen. Aber wer weiß, ob der griechische Aufstand nicht auch auf andere Finanzplätze übergreift?

Verwundern täte es nicht. Schließlich wurde ihm ja auch anderswo übel mitgespielt, dem Kleinaktionär. Auch und gerade in Deutschland. Schnelles Geld hatte man ihm versprochen. Doch von all den schönen Aktien, die schnelles Geld gebracht haben, bekam er nie eine zu sehen. Statt Infineon und Beate Uhse gab es höchstens ein paar Lycos, weil diese Nieten kein Großinvestor haben wollte.

Von Fairness keine Spur. Genauso wenig wie von Aktionärsdemokratie. Da hatte er sich an der Dresdner Bank beteiligt, weil er dort Kunde ist und immer gut bedient wurde. Aber ohne ihn zu fragen, ohne jede Hauptversammlungsdiskussion, hat man seine Bank einfach verscherbelt. Und weil er kein Großverdiener ist, will man ihn nicht einmal mehr als Kunden haben.

So was tut weh. Aber auch vom Staat gibt es keinen Beistand. Ganz im Gegenteil. Gerade bei den Kleinanlegern langt der rote Eichel zu wie keiner vor ihm. Besonders dann, wenn man mal glaubt, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Wie bei Mannesmann zum Beispiel. Wer voriges Jahr Mannesmann-Aktien gekauft hat, muss fein blechen - bis zur Hälfte des Kursgewinnes geht an den Fiskus. Ganz egal, ob man seine Aktien verkauft oder in Vodafone umgetauscht hat.

Wie viel Wut mag sich da angestaut haben. Wenn jetzt auch noch die Kurse fallen, kann niemand mehr für nichts garantieren. Spätestens bei einem Dax von 7000 sei mit Widerstand zu rechnen, schreibt die Deutsche Bank. Sie meint damit zwar einen etwas anderen Widerstand - die Aussage stammt aus einer technischen Analyse. Dennoch ist es gut denkbar, dass die 7000 für Frankfurt ähnlich bedeutend wird, wie die 5000 für Athen. Wenn der Index dort nämlich nicht bis Freitag dieser Woche wieder über die magischen 5000 geklettert ist, wird es echt kritisch. Dann muss die Regierung zurücktreten. Premier Simitis hat keine Chance, am Sonntag die Wahlen zu gewinnen, wenn der Index das nicht schafft. Das belegen die Umfragen. Nie war die Börse politischer. Aber immerhin zeigt es, dass die Kleinanleger gar nicht so wehrlos sind, wie man denkt. Besitzer der Aktie, aufgewacht und erkenne deine Macht!