Er kam als achtes Kind in die Familie. Der Vater war Bildhauer und Tischlermeister. Die Mutter war dessen zweite Frau die erste war nach der Geburt ihres dritten Kindes gestorben. Die Familie wohnte in einem geräumigen Haus, das der Vater auf eigenem Grundstück hatte bauen lassen. Es war sein drittes Haus. Die beiden anderen hatte er vermietet. Nicht nur durch die Mieteinnahmen war die Familie finanziell gesichert, auch die väterliche Werkstatt brachte Gewinn.

Meine Eltern hatten beide nur die Volksschule besucht, äußerte sich später der Sohn, höhere Schule, das war bei ihren Eltern nur was für die Söhne, und das Studieren war nur erlaubt, wenn einer Theologie studierte ... Meine Eltern hatten wohl heftiger unter diesem Zwang und anderen Zwängen gelitten, als sie zugaben, uns aber wollten sie frei sehen, in >freier Entfaltung<.

Glückliche Jahre waren der Familie, besonders den Kindern da gegönnt. Es gab eine Gartenlaube, eine Doppelschaukel, ein Reck, eine Kletterstange und sogar eine unterirdische Höhle - auf eigenem Grundstück. Der Sohn, um den es hier geht, sah rückblickend in dieser sehr freien und verspielten Kindheit den Grund für die Solidarität, die er gegenüber der Familie gewann und die er als ein Zusammenhalten mit den Eltern, aber auch mit meinen Geschwistern erlebte, mit denen ich mich gleichzeitig stritt, ideologisch, religiös oder politisch aber wenn es drauf ankam, spielte es keine Rolle. Es war ein richtiger Clan.

Sein Verhältnis zum Vater war intensiv, stark, aber zu meiner Mutter nicht geringer. Der Vater ging mit ihm häufig in die städtischen Museen, was dem Sohn gefiel: Ja ich liebte die Museen, ich war bildungshungrig, wenn auch nicht bildungsbeflissen. Er kam auf eine katholische Volksschule und dann aufs Gymnasium. Ich ging gern hin. Und er war ein guter Schüler, wenngleich er die Prima wiederholen musste.

Dann kamen die Weltwirtschaftskrise, der totale finanzielle Zusammenbruch der väterlichen Firma und der Verlust ihres Hauses. Da haben mein Vater und meine Mutter ... jegliche Sicherheit und Zuversicht verloren. Das ganze Debakel kam ganz plötzlich, über Nacht ... Mein Bruder und ich bekamen nur gesagt, wir sollten nach der Schule nicht in die Straße am Park zurück, sondern in die neue Wohnung kommen. Das war 1930, im Frühjahr, glaube ich, und die zwanziger Jahre waren damit zu Ende die dreißiger fingen an ...die Ewigkeit des Nazismus. Und nach ein paar Jahren delegierte die Familie ihren Ältesten in die SA und schaffte sich auch auf eindringlichen >Rat< des Blockwarts eine Hakenkreuzfahne an, wenn auch eine kleine man konnte ja an Tagen, wo flaggen Pflicht war, an der Größe der Fahne auch Gesinnung ablesen.

Nach dem Abitur fing er eine Buchhändlerlehre an, die er aber abbrach, um zu schreiben. Dann musste er zum Reichsarbeitsdienst. Danach begann er an der Universität Germanistik und Altphilologie zu studieren, wurde aber bald zur Wehrmacht einberufen, zur Infanterie, kam zum Einsatz in Frankreich, Russland, Rumänien, Ungarn und im Rheinland, wurde mehrmals verwundet, kam gegen Kriegsende noch für kurze Zeit in Gefangenschaft. Nach der Entlassung suchte er seine Frau und seinen Sohn.

Mitten im Krieg hatte er seine Jugendfreundin geheiratet. Jetzt fand er die beiden in ihrem Evakuierungsort. Kurz danach starb der Sohn er hatte nur drei Monate gelebt.