Mein ganzes Leben lang ging es in meinen Träumen um das Reisen. Ich war schon in meiner Jugend von Fernweh geplagt. Wir wohnten am Rand von Frankfurt, in Hausen. Schon als Kind bin ich oft von zu Hause ausgerissen, zum Frankfurter Flughafen gefahren und habe mir die Flugzeuge angesehen. Dann habe ich mir all die aufregenden Orte vorgestellt, zu denen die Leute darin wohl fliegen.

Ich wollte ständig weg, weg aus Frankfurt.

Später bin ich dann oft mit einem Freund zusammen raus an den Flugplatz gefahren, so nah ran an die Rollbahnen, wie es nur ging. Wir spannen stundenlang rum, welche Abenteuer wir in all den fernen und exotischen Ländern erleben würden. Das Ganze war eine Art innerlicher Schrei: Welt, ich will dich kennen lernen! Mein liebstes Ziel in meiner Fantasie war immer Kanada. In den Wäldern mit Freunden eine Blockhütte bauen, am See fischen und im Winter jagen, Feuer machen - ein echter Jungen-Trapper-Traum.

Wegen meines Fernwehs wollte ich damals unbedingt Pilot werden. Von der Idee habe ich mich mittlerweile verabschiedet. Einer meiner Freunde ist Pilot, als ich ihn vor einigen Jahren in Miami besucht habe, nahm er mich in seiner Cessna mit. Ich durfte sogar starten! Ein Wahnsinnserlebnis - du musst auf so viele Dinge achten, die Armaturen im Auge behalten, aus dem Fenster schauen und die Rollbahn im Blick haben. Das hat großen Spaß gemacht! Allerdings lag das wohl daran, dass es eine kleine Propellermaschine war. Bei großen Jets funktioniert das wohl ganz anders.

Ich muss ehrlich sagen, die Fliegerei, wie sie heute aussieht, ist langweilig. Ich fliege ja beruflich sehr oft, im Schnitt vier- bis sechsmal pro Woche. Dann schaue ich oft ins Cockpit. Da sind so viele Computer, die alles überwachen. Wahrscheinlich besteht für den Piloten die meiste Arbeit darin, sich wachzuhalten.

Dieser Traum hat seinen Reiz endgültig verloren. Heute sitze ich lieber in der Business-Class und genieße die Ruhe. Aber wahrscheinlich hat der Traum von der Ferne auch unbewusst meine Karriere gesteuert. 1981 fing ich am Frankfurter Flughafen an zu arbeiten, als DJ im Dorian Gray, der Club war dort in einer Halle untergebracht. Am Flughafen war ich also, geflogen bin ich damals aber nur mit meiner Musik. Dass daraus ein Job werden würde, der mich zum Vielflieger machen und mir die Welt zeigen würde, hätte ich mir allerdings nie träumen lassen.

Heute träume ich davon, mir eine Auszeit zu nehmen, einen Campingbus umzubauen, eine Kamera einzupacken und durch Südamerika zu reisen. Von Uruguay aus langsam in Richtung Norden zu ziehen, Argentinien, Peru, Chile zu streifen ich würde gerne alte Inka-Städte und Maya-Plätze besuchen, Schamanen treffen und alles dokumentarisch, ganz authentisch mit der Kamera festhalten. Auf der Spur der Schamanen könnte das Projekt heißen.