Ich bin mit mir selber stolz. Ich arbeiten mit einen Computer. Mir gefehlt diese Arbeit, weil es mir sbas macht." Metin stockt. "Sbas": Irgendetwas scheint mit diesem Wort nicht zu stimmen. Der Junge überlegt eine Weile, löscht das Wort und schreibt es neu: "... weil es mir schbas macht."

Meine glückliche Zukunft - so heißt das Thema der Stunde. Die Schüler sollen träumen, wie ihr Leben in 25 Jahren aussehen wird . Keine einfache Aufgabe für Metin. Buchstabe für Buchstabe tastet er sich am Bildschirm an seinen Zukunftstraum heran. Er möchte nicht so hart arbeiten wie sein Vater, der bei der Bahn "Schiene putzt", also Gleisarbeiter ist. Lieber "was mit buro". Mehmet, zwei Computer weiter, will Pilot werden, Ali Maschinenbauer*.

Dabei kennen Metin und seine ausländischen Klassenkameraden das Land ihrer Väter, die Türkei, nur aus dem Urlaub. Sie sind Kinder der Dortmunder Nordstadt, geboren, aufgewachsen und zur Grundschule gegangen in Deutschland. Der eine oder andere hat bereits einen deutschen Pass. Genützt hat das scheinbar wenig. Selbst für einen durchschnittlichen Schulabschluss reichen die Sprachkenntnisse der meisten Schüler nicht aus.

Die Zahl der so genannten Bildungsverlierer unter den Migrantenkindern nimmt zu, in Dortmund wie in ganz Deutschland. Das war schon mal anders; lange Zeit zeigten alle Bildungsdaten von Schülern ausländischer Herkunft in eine positive Richtung. Immer weniger von ihnen verließen die Schule ohne Abschluss, die Zahl der Abiturienten ohne deutschen Pass stieg. Heute studieren doppelt soviele türkische Jugendliche an deutschen Universitäten wie noch vor zehn Jahren.

Die Schule als soziales Trampolin funktioniert - doch nur für einen kleinen Teil, und die Tendenz ist rückläufig. Die Anzahl ausländischer Hauptschüler ist im Schnitt noch immer fast dreimal so hoch wie die der deutschen. Bei den Gymnasiasten ist das Verhältnis umgekehrt. Dramatisch erscheint der Bildungsabsturz bei der größten Problemgruppe, den Schülern türkischer Herkunft: 40 Prozent von ihnen stehen nach der Schule ohne Ausbildungsplatz da - damit fast ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt (bei den deutschen sind es acht Prozent).

Die Kinder sprechen zum Teil schlechter Deutsch als ihre Eltern

Angesichts dieser Zahlen warnt der letzte Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung von 1998 vor einem "Proletarisierungsprozeß", der langfristig den "inneren Frieden in Deutschland in Gefahr" bringen könnte. Der Anstieg der Jugendkriminalität in den vergangenen Jahren gilt Experten als Alarmzeichen. Sie geht, wie das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen in einer Studie herausfand, zum großen Teil auf das Konto junger Migranten.