Die nächste Auslandsreise des Bundeskanzlers vorbereiten, an einem neuen Gesetz mitarbeiten, als gefragter Referent durch die Welt jetten. Von wegen Ärmelschoner und Büroschlaf. Beamte leben oft aufregender als Manager! Doch wie macht man das, Karriere beim Staat?

Eines ist klar: Dienst nach Vorschrift reicht nicht aus. Wer nach oben will, muss fleißig sein - aber kein Streber, beharrlich - aber kein Stubenhocker. Eine glänzende Laufbahn im Beamtenapparat gelingt nur mit der richtigen Mischung aus Leistung und sozialer Kompetenz.

Spitze Ellenbogen sind nicht gefragt, dafür aber Teamarbeit

"Auf die Uhr schauen darf man nicht, wenn man bei der Justiz etwas werden will", sagt Heinz Stöckel. Überstunden im Büro, Arbeit mit nach Hause nehmen - das gehört dazu. Und ohne exzellenten Studienabschluss kommt die Karriere gar nicht erst in Gang. Sehr gute Noten in den juristischen Prüfungen sind entscheidend, um nach dem zweiten Staatsexamen in den öffentlichen Dienst übernommen zu werden - jedenfalls in Bayern. Jedes Bundesland hat in dieser Frage eigene Regeln. In Bayern bewerben sich Juristen, die gerne Richter oder Staatsanwalt werden möchten, direkt beim Justizministerium. Gute Examina bedeuten einen vorderen Listenplatz und damit bessere Aussichten auf eine Stelle.

Heinz Stöckel gehörte zu den Absolventen seines Jahrgangs, die einen Arbeitsplatz beim Staat ergatterten. Doch um anschließend Karriere zu machen, reichen gute Noten allein nicht. Wer vorankommen will, sagt Heinz Stöckel, der muss seinen Vorgesetzten zeigen, was er kann - und braucht Flexibilität.

Flexibilität: In Heinz Stöckels beruflichem Werdegang war sie von Anfang an wichtig. Zehnmal wechselte er in der Justiz den Posten, nebenher promovierte er, wurde später Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg und arbeitet an mehreren Gesetzeskommentaren als Autor mit. Stöckel wurde dreimal ans bayerische Justizministerium berufen und stieg dabei jedes Mal in der Hierarchie ein wenig nach oben. Zwischendurch machte er Karriere in der Justizpraxis: Er war Staatsanwalt, Richter, Oberstaatsanwalt, Vorsitzender Richter, Amtsgerichtsdirektor, Leitender Oberstaatsanwalt und wurde schließlich 1996 Generalstaatsanwalt.

Häufiger Arbeitsplatzwechsel, das hieß auch häufig umziehen. Von Nürnberg nach München und wieder zurück. Die Familie musste Rücksicht nehmen. "Als ich das zweite Mal nach München ans Justizministerium ging", erzählt Stöckel, "da war unsere Tochter gerade sechs Wochen alt." Doch solche Opfer müsse man bringen, sagt er: "Ohne die Bereitschaft, den Ort und die Aufgaben zu wechseln, bleibt man hängen." Genau das wollte er nicht: jahrzehntelang dieselbe Arbeit machen, irgendwann in Routine erstarren. Stöckel hat seinen Weg gefunden. Nach über 30 Jahren im Dienst sagt er: "Ich habe so viel Abwechslung im Beruf, dass ich immer noch jeden Tag gerne ins Büro komme."