You don't decide to have children. They decide to be born . Margaret Drabble

In einem Roman mit dem programmatischen Titel Der Mühlstein beschreibt die britische Autorin Margaret Drabble das Schicksal der Studentin Rosamund. Die 25-Jährige arbeitet an ihrer Dissertation über Elisabethanische Sonette, als sie, nach einer flüchtigen sexuellen Begegnung mit einem (überwiegend) homosexuellen Rundfunkjournalisten, schwanger wird. Rosamund entscheidet sich dafür, das Kind zu bekommen.

Das geschieht uns, wenn wir Kinder zur Welt bringen. Und weil es so ungeheuer schwierig ist, sich im früheren Zustand der Unschuld jenes gereifte, sorgen- und verantwortungsvolle Nachher vorzustellen, sind alle Entscheidungen, die wir in diesem Zusammenhang zu treffen glauben, bis zu einem gewissen Grade Selbsttäuschungen. Verlässlich gelten allein die zwei Grundregeln, dass mit Kindern alles anders ist als ohne sie; und dass es einen idealen Zeitpunkt für ihre Geburt nicht gibt. Wenn man diese Prämissen akzeptiert, dann wird klar, dass auch das mittlerweile von allen Parteien beschworene gesellschaftspolitische Ziel der "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" voller Widersprüche steckt.

Widersprüche, die mit einer größeren Zahl von Kindergartenplätzen oder Frauenförderprogrammen nicht aufzulösen sind: Die "Vereinbarkeit" von Familie und Beruf ist nicht nur ein Problem der Logistik. Wohl aber ist sie überwiegend ein Problem der Frauen. Daran scheint sich nach 30 Jahren Frauenbewegung so wenig geändert zu haben, dass man fast wieder versucht ist, den Grund dafür im Biologischen zu suchen. Offenbar ist das körperlich-seelische Band zwischen Frauen und ihren Kindern doch enger als selbst die innigste Vater-Kind-Beziehung. Mütter sorgen sich öfter, länger und herzzerreißender als Väter darum, ob mit der Betreuung des Kindes auch alles klappt, ob es sich wohl fühlt, ob es gebügelte Sachen zum Anziehen hat und genug Obst und Gemüse isst. Diese Sorge muss Mütter theoretisch an nichts hindern, aber praktisch bindet sie einen nennenswerten Teil geistiger Energie.

Ein zweiter Aspekt, der das Kinderproblem zu einem Frauenproblem macht, hat seine Ursachen im Paarungsverhalten: Solange Frauen vorwiegend ältere, schon examinierte oder bereits in Lohn und Brot stehende Partner wählen, geraten sie fast zwangsläufig in die Lage, mit einem neuen Baby zunächst zu Hause zu sitzen - irgendjemand muss ja das Geld verdienen; und selbst ein bescheidenes Einstiegsgehalt lässt sich nicht ohne weiteres gegen 600 beziehungsweise 900 Mark Erziehungsgeld im Monat tauschen. Wer als Erster einen Job hat, gewinnt also die innerfamiliäre Handlungsfreiheit.

Tagesmütter und Krippen sind oft nur eine Notlösung

Selbstverständlich mangelt es auch an Betreuungseinrichtungen für die Allerkleinsten. Insgeheim mag allerdings manche Mutter ein wenig froh sein, dass, jedenfalls im Westen Deutschlands, kein infrastruktureller Zwang besteht, unter Dreijährige in Krippen abzuliefern. Denn unter Dreijährige sind nun einmal besonders klein und haben den zusätzlichen Nachteil, in der Regel noch keine Auskunft darüber geben zu können, ob sie sich in einem Betreuungsarrangement wohl fühlen oder nicht.