Wenn Moritz Koch, Inhaber der Softwarefirma Tripletop, morgens in sein Büro kommt, muss er erst einmal nachsehen, ob sein Schreibtisch überhaupt frei ist: Häufig hat es sich schon ein anderer auf seinem Stuhl bequem gemacht. Doch dann zuckt Koch nur mit den Schultern - und sucht sich eben einen anderen Platz.

Denn Firmenchef Koch ist das Teilen gewöhnt. Wenn er ins Internet will, ist der Online-Computer oft schon besetzt. Auch am Faxgerät muss er zuweilen warten, bis er drankommt. Und mit dem Dienstwagen ist ebenfalls immer gerade jemand anders unterwegs. Koch arbeitet in der ".garage", und dort ist alles ein bisschen anders. Dort ist nämlich jeder Chef. Und zugleich arbeitslos.

Koch sieht aus, als habe er es bereits geschafft. Das blaue Hemd sitzt tadellos, darüber trägt er einen feinen Anzug mit Weste. Die Glatze lässt ihn älter erscheinen, auf seinem Schreibtisch liegt die Financial Times. Noch vor einem Jahr war Koch Physikstudent an der Hamburger Universität. Nebenbei entwickelte er Tripletop, ein Computerprogramm für Aktienspekulationen. Dazu brauchte er einen langen Atem. Vor dreieinhalb Jahren fing er an, dann dauerte es erst einmal volle zwei Jahre, bis das Programm überhaupt lief. Jetzt ist er fertig, muss aber "um die Software herum noch eine Firma aufbauen". Und das heißt für ihn: Vertrieb organisieren, Anwenderseminare vorbereiten und ein Handbuch schreiben.

Ein bisschen Herbergsvater, ein bisschen Kummertante

Die anderen .garage-Gründer unterstützen ihn dabei. Sie lesen seine Manuskripte und überprüfen, ob die Texte auch für Laien verständlich sind. Oder sie sprechen ihm einfach Mut zu, wenn es mal nicht so gut läuft. "Es ist wichtig, mit Leuten zusammen zu sein, die in derselben Situation sind. Die machen oft auf Probleme aufmerksam, die man selber nie gesehen hätte", sagt Koch.

Am Eingang der .garage stehen mobile Rollcontainer, in der die einzelnen Firmen abends ihre Unterlagen einschließen. Morgens sucht sich dann jeder seinen Schreibtisch. Telefoniert wird mit schnurlosen Telefonen, die mit an die Arbeitsplätze genommen werden. Hier kann jeder alles und jeden hören und sehen. Und das ist auch so gewollt. Die Teilnehmer sollen sich mit Ideen und Vorschlägen gegenseitig befruchten. Doch es gibt auch Rückzugsräume, in denen man in Ruhe telefonieren oder Verträge abschließen kann. "Es geht uns nicht in erster Linie um Betreuung, sondern um Interaktion und Vernetzung", sagt Hajo Streitberger.

Streitberger ist der Projektleiter, ein bisschen Herbergsvater, ein bisschen Kummertante, ein bisschen Klassenlehrer und ein bisschen Oberlehrer. Mit entschlossener Miene durchschreitet er den .garage-Arbeitsbereich. "Warum ist denn wieder mal kein frischer Kaffee da?", fragt er mürrisch. Die Jungchefs ziehen die Köpfe ein.