Eine alte Weisheit aus Frankfurt besagt, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Ein starkes Wort, so klar und rund - und doch geflunkert. Wenn alles, also das Leben schlechthin, falsch geworden ist, dann erübrigt sich jedwede Feststellung über dessen Beschaffenheit. Unter der Kuratel einer vollendeten Falschheit fallen 'richtig' und 'falsch' unterschiedslos zusammen. Das aber kann nicht stimmen, allein schon aus Gründen der praktischen Klugheit nicht. Mag der Schlamassel noch so dicke kommen, irgendwie geht es immer weiter.

Das wird man sich auch bei der CDU gesagt haben. Auf dem letzten Parteitag warf sich die neue Vorsitzende Angela Merkel in hölderlinsche Pose und erkannte mit fast schon poetischer Geschmeidigkeit, dass "in jeder Krise eine Chance steckt". So kündet die Zukunft, hell und rein, dunkle Machenschaften lasset sein. Nachträglich und nur etwas nachtragend gratulierte sie sogar dem "lieben Helmut Kohl" zum Geburtstag. Wohlan. Doch wo so viel Rettendes ist, da gibt es naturgemäß auch einen Trauerkloß. Wolfgang Schäubles Rede vom "neuen Aufbruch" wollte nicht glänzen. Er verkniff sich alle Kritik an seinem einstigen Männerfreund, wenn es je einer war, und trauerte, nur wenig erleichtert, vor sich hin.