Damals war es noch einfach - bei der Mondlandung. Die Fernsehbilder waren zwar schwarzweiß und unscharf, aber alle konnten sehen: Jetzt betritt der erste Mensch den Mond.

Nun stehe erneut eine historische Landung bevor, diesmal auf dem "Planeten Erbgut", meint die Süddeutsche Zeitung. Und die FAZ prophezeit: "Die vollkommene Erkenntnis der Lebensprozesse steht in diesem Jahr bevor." Zur Dramatik passt Jeremy Rifkins Behauptung, die Gentechnik bringe "gottähnliche Macht". Wer wäre da nicht gern live dabei, in Farbe, flimmerfrei. Ein Biotechniker findet den Schlüssel zum letzten Rätsel unseres Genoms und haucht: Es ist vollbracht.

Tatsächlich hat Venters Firma menschliches Erbgut in kleine Stücke zerhackt. Diese Trümmer sind jetzt maschinell Buchstabe für Buchstabe entziffert. Venter vermutet in dem Haufen mehr als 97 Prozent aller Gene. Als Nächstes muss aus diesem Riesenpuzzle mit Computerhilfe erst das Gesamtbild erstellt und dessen Qualität geprüft werden. Es dürfte noch Wochen dauern, bis erstmals ein menschliches Genom grob entziffert ist.

Entschlüsselt oder gar verstanden ist der Bauplan der Menschen damit noch längst nicht. Tausende Lücken und Fehler werden noch zu beseitigen sein. Und aus technischen Gründen lassen sich große Teile der DNA mit scheinbar sinnlosen Wiederholungen gar nicht entziffern. Diese "Müll"-DNA bildet jedoch die große Masse des Erbgutes - und könnte diverse Überraschungen bergen. Vor allem wird es Jahre dauern, bis allen Genen alle Eiweiße zugeordnet sind, die das Gerüst des Lebens bilden. Weit mehr als hunderttausend Eiweiße müssen zeitlich und räumlich fein orchestriert zusammenspielen, bis das Lied vom menschlichen Leben ertönt.

Bisher kennt man nur den Buchstabensalat eines Mannes. Erst wenn Genomanalysen für weitere Männer und Frauen vorliegen, wäre "das menschliche Erbgut" entziffert.

Eine planetare Punktlandung wird es nicht geben, der gläserne Mensch bleibt noch lange Fiktion. Die biotechnische Revolution kommt schleichend, auch wenn dies vielen Dramaturgen nicht passt. Drum wird weiter geflunkert, farbig und flimmerfrei.