Joseph Stiglitz ist ein kleiner, freundlicher Mann. Dennoch sorgt der ehemalige Chefökonom der Weltbank immer wieder für Ärger, vor allem beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Sanft im Ton, aber hart in der Sache kritisiert Stiglitz die fatalen Folgen der IWF-Politik für die Armen. Da er ein Insider war, lässt sich seine Stimme schwer überhören. Rechtzeitig zur Frühjahrstagung des IWF präsentieren Stiglitz und andere Entwicklungsexperten nun im Auftrag des Overseas Development Council ihre Reformvorschläge. Ähnlich wie die Bundesbank oder auch der Meltzer-Report will die Stiglitz-Arbeitsgruppe den Fonds auf seine Kernfunktion beschränken: "Der IWF soll sich aus dem langfristigen Kreditgeschäft zurückziehen." Für Entwicklungsfragen und Kredite solle künftig wieder stärker die Weltbank zuständig sein. Zudem fordert Stiglitz, dass künftig ein unabhängiges Expertengremium die Arbeit des IWF überprüfen solle.

Als hätten die Verantwortlichen etwas geahnt, steht die Einrichtung einer unabhängigen Kontrollstelle auf der Tagesordnung des Treffens. Doch damit hat sich der Eifer wohl. Mit Reformen rechnet kaum ein Beobachter - eher mit wohlklingenden Vorschlägen, vor allem bei dem populären Thema Schuldenerlass für die Dritte Welt. Bisher nämlich verläuft die vor einem Jahr großspurig verkündete Entschuldung äußerst schleppend. Die Finanzierung der ambitionierten Idee ist noch immer nicht vollständig gesichert. Da in dieser Woche Tausende Demonstranten die Reichen auf dieses Armutszeugnis aufmerksam machen wollen, kämen ein paar positive Schlagzeilen über neue Initiativen ganz gelegen.