Es geht zur Sache, in jeder Hinsicht. Der Gestank von Kartoffelfäule hängt über Irland, und man sieht eine Frau, die am Fluss entlangläuft, "immer tiefer hinein in den Dreck und die Scheiße", und schon auf Seite zwei werden Formulierungen wie "... ihre Titten jubelten Dublin entgegen" aufgetischt. Was kann man von einem solchen Buch erwarten, na, aber alles! Weiber, süße Romantik, Sätze wie: "Das blauschwarze Haar tanzt, die Füße streicheln das Kopfsteinpflaster." Kerle mit "Händen wie Schaufeln", eingekrustet in ihren Gestank, einen richtigen Krieg natürlich, den Freiheitskampf gegen die verdammten Briten, und mitten in der entscheidenden Schlacht, the Easter Rising von 1916, treibt es der 14-jährige Held mit seiner reschen Exlehrerin im Schatten der Barrikaden, ein Akt, untermalt von Granatengeheule und fleischlichem Geklatsche.

DIE ZEIT: Was für ein Buch, Mr. Doyle. Man ist richtig gespannt, Sie kennen zu lernen. Ihr Held Henry Smart ist mutig, sexy ...

ZEIT: ... wobei das Buch Henry der Held einige Szenen enthält ...

DOYLE: ... die Henry aus seiner Sicht schildert ...

ZEIT: ... Szenen, die mit Detailfreude nahe legen, dass er doch eine gewisse Ausstrahlung besitzt, Augen wie "blaue Dolche", übernatürliche Potenz! Die Frauen stehen ja an, bevor sie sich hinlegen, und das ist in Ihrem Buch keine Metapher, sondern eine Szene. So also sieht ein echter Mann aus, meinen Sie?

DOYLE: Überhaupt nicht. Ich habe nur mit meiner Familiengeschichte gespielt. Meine beiden Großväter waren in den Unabhängigkeitskrieg Irlands verwickelt. Sie starben, als ich noch klein war, aber ich erinnere mich an zwei ganz sanfte Männer. Der eine war ein Straßenbahnfahrer, der andere war Beamter, hätten sie 20 Jahre später gelebt, wäre ihnen eine geruhsame Existenz sicher gewesen. Aber sie wurden in diese gewalttätigen Zeiten hineingeboren und in diese Gewalt verwickelt. Das ist bestimmt keine Idealvorstellung von mir, ich selber hatte nie etwas mit Gewalt zu tun, ich war noch nicht mal in der Armee.

Ein Mann mit scharf umrissenem Schädel, so zeigt der Buchumschlag den Autor Doyle. Das Scharfe hat sich ein wenig abgeschliffen, sei es im Windkanal des Erfolgs oder durch einen aktuellen Hauch von Grippe. Er wirkt ganz weich, ein wenig müde. Berlin, nun Hamburg, mein Gott, morgen München! In London hat sich sein Henry von ganz alleine verkauft, 120 000-mal, in einer Woche! Seine Stimme ist leise, er muss sich schonen. Er will eigentlich nach Hause, nur schreiben. Denn schon sitzt er an Band zwei der Henry-Saga, sie soll irgendwann bis an den heutigen Tag heranführen.