Wahre Hochkultur blüht im Fernsehen bisweilen an den unglaublichsten Orten, zum Beispiel beim Deutschen Sportfernsehen. Der Kirch-Sender präsentiert jeden Tag eine Sendung von Japans Meisterregisseur Takeshi Kitano, die Spiel-Show Takeshi's Castle . Bekannt wurde Kitano mit preisgekrönten Filmen wie Hana-Bi aus dem Jahr 1997, in dem fast nie gelacht, dafür pathetisch geschwiegen und mit Inbrunst gemordet wird. Doch im Fernsehen macht er alles anders: Die Darsteller sind vergnügt, schadenfroh und nass. Takeshi's Castle kommt täglich am Nachmittag und sieht auf den ersten Blick aus, als hätte ein Producer unter LSD versucht, das gute alte Spiel ohne Grenzen, Wrestling-Shows und Big Brother zu mixen.

Das geht so: Gut 100 Kandidaten treten an, die Burg des Fürsten Beat Takeshi, gespielt natürlich von Takeshi Kitano selbst, zu erstürmen. Dabei müssen sie ziemlich dämliche und entwürdigende Aufgaben erledigen, zum Beispiel auf riesigen, rollenden Walzen über einen schlammigen See balancieren, im unhandlichen Michelin-Männchen-Dress den Beschuss von Plastikbällen überstehen oder sich von wild gewordenen Samurais hetzen lassen, und zwar durch ein enges Labyrinth, aus dem es nur einen Weg in die Freiheit und ziemlich viele Wege in brackiges Wasser gibt. In einem wahren Taumel der Schadenfreude werden diejenigen präsentiert, die es "leider, leider" nicht geschafft haben. Leider ist der deutsche Zuschauer auf eine miserable Übersetzung angewiesen und muss mit Juliane-Werding-Zitaten ("Man muss das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist") oder feinen Reimen ("Ohne Kampf kein Mampf") vorlieb nehmen. Am Ende jedenfalls kämpft Kitano in einem Panzer im Autoscooterformat gegen die vier oder fünf übrig gebliebenen Kandidaten - und gewinnt. Die Burg bleibt immer in seinem Besitz. Die angenehm sinnfreie Serie ist mit durchschnittlich einer halben Million Zuschauern hierzulande ein Riesenerfolg, genau wie in Italien, Brasilien, Taiwan und Singapur.