Nicht immer ist auf dem besten Weg, was in die Mühlen der Öffentlichkeit gerät. Die giftigen Unterstellungen, mit denen der Plan eines Berliner Holocaust-Mahnmals diskutiert wurde, sind ein trauriges Beispiel. Ein eher burleskes bot dagegen die Debatte um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Sie beschäftigte sich wenig mit der fragwürdigen Authentizität einer Rekonstruktion, viel aber mit dem Argwohn, dass hier womöglich das feudale Erbe der Monarchie zynisch und demokratieverachtend restauriert werden solle. Beide Beispiele zeigen, dass es eine probate Methode sein könnte, Dinge in die Öffentlichkeit zu tragen, die man zum Scheitern bringen möchte.

Es lehrt aber auch umgekehrt den Verdacht, dass Pläne die Öffentlichkeit scheuen, wenn sie im Geheimen schon beschlossen wurden und durch keine Dreinrede mehr gefährdet werden sollen. Von dem geschichtsverachtenden Plan, den Eingangshof des Pergamonmuseums zu überglasen, hat bisher niemand ein öffentliches Wort gesprochen. Müssen wir daraus schließen, dass die Zerstörung des historischen Ensembles an dieser Stelle schon entschieden ist, während in der Öffentlichkeit noch um die Restaurierung der Museumsinsel gestritten wird? Der klandestine Vorgang berührt umso merkwürdiger, als der Brandenburgische Landtag gerade den Willen bekundet hat, das Potsdamer Stadtschloss wiederaufzubauen, mit einem Dienstleistungszentrum hinter den berühmten Knobelsdorffschen Kolonnaden.

Es ist leider tatsächlich ein wenig wie mit dem Holocaust-Mahnmal, für das Geld gerne gesammelt wurde, während viele Konzentrationslager, die immerhin authentische Orte des Schreckens sind, zu verfallen drohen. Wir fürchten die realen Hinterlassenschaften der Vergangenheit und leben lieber mit Surrogaten und künstlichen Zeichen der Geschichte. Die Verglasung des Pergamonmuseums wäre jedenfalls ein überzeugendes Denkmal dieser Angst.