Allen Autofahrern ist er leidig bekannt: der klebrige Schmierfilm auf dem Lack, wenn der Wagen unter einem Baum geparkt war. Stimmt es, dass es sich dabei nicht um Absonderungen der Blüten handelt, sondern um Läusekot? Tim Hülskamp, Hamburg

Die kleinen Krabbelviecher sitzen auf den Bäumen und saugen aus dem so genannten Phloem, dem Gefäßsystem der Pflanzen, den Saft in sich hinein. Dieser Saft enthält vor allem Kohlenhydrate in Form von Zucker - besonders viel etwa beim Ahornbaum. Die Läuse dagegen sind besonders scharf auf nahrhafte Proteine, und die sind im Phloem nicht in sehr hoher Konzentration vorhanden. Also müssen die Tierchen saugen, saugen, saugen. Den überschüssigen Zucker scheiden sie wieder aus. Daher der feuchte Film, der auch den schmeichelhaften Namen "Honigtau" trägt. Trost für genervte Autobesitzer: Der wasserlösliche Läusekot greift den Lack nicht an.

Wer das alles nun ziemlich eklig findet, der sollte nicht nur den Campari vorsichtig genießen (ZEIT Nr. 51/99), sondern auch beim nächsten Honigkauf genau aufs Etikett schauen: Bienen finden den Honigtau nämlich sehr köstlich und schlecken ihn gern von Bäumen und vom Waldboden auf. Alles, was unter "Waldhonig" oder "Tannenhonig" firmiert, hat den Weg durch den Läusedarm genommen, bevor die Biene es geschluckt und wieder ausgespuckt hat.