Wir erleben derzeit eine Invasion, glücklicherweise ist sie virtuell. Pokémons heißen sie, die Wesen aus Japan, Nintendo, und es gibt sie zum Angucken nicht nur auf dem Fernsehschirm, sondern zusätzlich als Sticker, Poster, als Puppen und Playstation-Figuren.

Pokémons sind etwa Teddybär-große exotisch-knuddelige Mischlinge zwischen Tier und Dämon. Sie verfügen über je spezifische Fähigkeiten wie Fliegen, Beißen, Graben, Gift Spritzen oder Stromstöße Austeilen. Sie ändern ihre Gestalt, während sie wachsen und "sich weiter entwickeln". Ihr Milieu ist der Kampf. Um sich mit ihresgleichen zu messen, benötigen sie Trainer, die sich ihrer annehmen: sie einfangen, domestizieren, pflegen, bewachen, nähren und ausbilden. Zu Pokémon-Trainern taugen Kinder zwischen neun und zwölf Jahren.

Die Erfindung der Pokémons war eine geniale Idee: Als Verantwortliche und Wissende genießen hier Kinder die Überlegenheit der Elternrolle; zugleich betrachten sie voller Empathie und Herablassung ihr eigenes Treiben und ihr Los als Kleinzeug, können sich über sich selbst erheben, lustig machen und entrüsten. Das Verdammtsein der Bluzuks, Strendus, Golkings, Smedbos und wie sie alle heißen zu pausenlosem Kampf ist eine Zutat aus Japan. Es wird aber von den hiesigen Youngsters mit beängstigender Begeisterung verfolgt. Ob sie ahnen, dass sie in den Spiegel ihrer eigenen Zukunft schauen?

Die Fantasie der Firma Nintendo beim Designen der unzähligen Pokémons ist außerordentlich, erschreckend aber die besinnungslose Abrichtung der Kreaturen auf Kampf und Sieg. Irgendjemand verliert nämlich immer dabei. Und das ist nicht Nintendo.