Man kann sie ohne große Übertreibung die Hochseilakrobaten der Finanzwelt nennen: Auch Investmentbanker sind Banker, aber mit dem Kundenberater bei der Volksbank haben sie etwa so viel gemein wie ein Ferrari Testarossa mit einem Ford Fiesta.

Ihr Geschäft sind die wirklich großen Transaktionen: Investmentbanken führen Exstaatsmonopolisten wie seinerzeit die Deutsche Telekom an die Börse, bereiten Kapitalerhöhungen vor, suchen weltweit nach Kaufinteressenten für abgestoßene Konzernzweige. Die Königsdisziplin der Branche sind Mergers and Acquisitions (M & A), Fusionen und Übernahmen. Bei allen großen Firmenhochzeiten der vergangenen Jahre waren die Strategen der großen Investmentbanken mit dabei. Sie werden immer dann geholt, wenn es darum geht, zu fusionieren, zu erbeuten, zu zerschlagen. Sie sind sozusagen die Vollstrecker des Shareholder-Value. Im geheimen Auftrag der Konzernlenker bereiten sie die harten strategischen Schnitte vor - alles zum Wohl der Aktionäre. In Deutschland sind die Finanzprofis erstmals bei der Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft nennenswert ins Geschäft gekommen, als die Treuhand sie nach Käufern für Werften, Kohlegruben und Chemieküchen suchen ließ.

Die erste Liga der Branche wird immer noch angeführt von den großen amerikanischen Häusern. Vor allem bei M & A dominieren seit Jahren Banken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Merrill Lynch. Deutsche Bank und Dresdner Bank haben Anfang der Neunziger mit Morgan Grenfell und Kleinwort Benson traditionsreiche britische Investmenthäuser gekauft und in ihre Konzernstrukturen integriert - ein schmerzvoller Prozess, weil deutsche und britische Bankkulturen lange nicht zueinander passen wollten.

Besonders bei den Mandaten für Fusionen und Übernahmen rangieren die Deutschen weltweit immer noch unter "ferner liefen". Da im Investmentbanking aber - im Vergleich etwa zum traditionellen Filialgeschäft - eine weitaus höhere Rendite zu holen ist, sind die Investmentprofis mittlerweile auch bei den großen deutschen Banken in strategische Machtpositionen gerückt. Da passt es nur zu gut, dass Josef Ackermann, im Vorstand der Deutschen Bank für das Investmentbanking zuständig, derzeit als Nachfolger von Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer gehandelt wird.