Noch immer liegt die Flugdistanz zwischen Paris-Charles de Gaulle und Frankfurt bei 460 Kilometern. Auch nach dem neuen Sommerflugplan verlässt Flug LH 4145 die französische Hauptstadt noch immer am frühen Nachmittag.

Doch wie durch ein Wunder hat sich die im Flugplan ausgewiesene Reisezeit, also die Zeitspanne vom Losrollen am Flugsteig bis zum Andocken am Zielflughafen, von 75 auf 90 Minuten erhöht. Auch andere LH-Flüge innerhalb Europas haben sich meistens um eine Viertelstunde verlängert: etwa die Verbindungen von Madrid, Barcelona, Amsterdam oder Sofia nach Frankfurt, aber auch Strecken wie Hamburg-London-Heathrow.

In fast allen Fällen betrifft es Strecken nach Frankfurt. Der Grund: Nicht etwa die Flugzeuge sind langsamer geworden, sondern das Chaos am Boden und vor allem in der Luft größer. Ungefähr jeder dritte Flug innerhalb Europas startete oder landete im vergangenen Jahr mehr als 15 Minuten nach der geplanten Zeit, im Schnitt waren diese Flüge fast eine Dreiviertelstunde verspätet.

Und die Prognosen aller Experten für den kommenden Sommer sehen kaum besser aus.

Die Lufthansa zieht als erste große europäische Airline Konsequenzen und setzt zumindestens auf einen realistischen Flugplan, so Philip Mende, zuständig für Planung und Steuerung. Wir gleichen den Flugplan jedes Jahr an die im Vorjahr gemachten Erfahrungen an, aber so heftig wie diesmal war es noch nie. Rund die Hälfte aller Europastrecken der Kranichlinie büßte auf diese Weise an Schnelligkeit ein. Die Angleichung der Flugpläne an die Realität ist im harten Airline-Wettbewerb aber nicht ohne Risiko. Die meisten Reisebüros buchen ihren Kunden die schnellsten Verbindungen, und da rutscht Lufthansa jetzt nach hinten. Andererseits erhofft sich die Fluggesellschaft eine Kostenentlastung durch weniger Kunden mit verpassten Anschlüssen.

Mit ihrem Drehkreuz Frankfurt mitten in Europa ist Lufthansa besonders stark von den Verzögerungen am Himmel betroffen. Unter den Flughäfen mit den meisten Verspätungen lag Frankfurt 1999 europaweit nach Zahlen der Association of European Airlines (AEA) auf Platz elf. An der Spitze der Negativliste steht Mailand-Malpensa, wo 1999 mehr als jeder zweite Flug dem Plan hinterherflog, in Madrid und Barcelona sah es mit jeweils rund 48 Prozent kaum besser aus. Das letzte Jahr war eine einzige Katastrophe, schimpft Carl Sigel, Bereichsvorstand Operations bei Lufthansa und selbst Pilot, da kann man allenfalls noch von kontrolliertem Chaos sprechen.

Besonders Lufthansa unternimmt in diesem Frühjahr erhebliche Anstrengungen, ihre Abläufe zu verbessern. Ohne eine einzige Strecke mehr zu bedienen als bisher, stehen jetzt acht zusätzliche Flugzeuge im Dienst: Sechs sind bei den verlängerten Reisezeiten notwendig, um alle bestehenden Strecken aufrechtzuerhalten, zwei weitere stehen in Frankfurt zum Einspringen bei extrem verspäteten Flügen bereit. Dadurch konnte im Januar und Februar mit 82 Prozent die höchste Abflugpünktlichkeit seit November 1998 erreicht werden.