So viel mal zur klonischen (nicht klinischen!) Besamung des Geistes: Meines werdenden Wissens nach gab und gibt es im Westen Berlins nicht mal eine sackförmige Hegelgasse, während im Osten immerhin Platz und Allee ihm angesiegelt waren, und das bis heute. Im kaltesten Kriege wurde westlicherseits, in Neukölln, an der Karl-Marx-Straße festgehalten.

Wohingegen Karl Marx, welcher im Osten nicht gerade selten auch für hohlste Gassen herhalten musste, dennoch nie gegen Otto Nuschke, den großen CDU-Mann der DDR, anstraßeln konnte! Was so verwunderlich nicht ist, weil nur jeder vierzehnte Karl-Marx-Straßenläufer überhaupt weiß, wer das ist. Von Otto Nuschke ganz zu schweigen!

Worauf nun Formeln leerer Begeisterung mittels Interjektionenschwemme - Na, super! Echt! Geil! - nebst anderen Käsevariationen dazu herhalten mögen, einen allgemeinen Denotationsschwund zugunsten einer Umdeutungsschwemme anschaulich zu machen. Die Phänomenologie der Geistlosigkeit kann jetzt an die Stelle der psychologischen Erklärungen oder auch der abstrakten Erörterungen über die Begründung des Unwissens treten. Oder umgekehrt.

Hegel nämlich schreibt seinem Freunde Niethammer 1806, nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt, er habe den Weltgeist zu Pferde gesehen. Napoleon nämlich, in Jena.

Als ich dies neulich lese und aufs Klo muss, entdecke ich, dass auch ich, eigentlich schon seit längerer Zeit, nun aber plötzlich ganz klar, links vor mir, den Weltgeist zu Pferde erkenne! In der eigenen Wohnung! Als Wiederholung des einst tragischen Kaisers in gegenwartsnaher Farceform. Er hat einen Dreispitz auf, sitzt gerade auf silbrig geharnischtem Rosse und über ihm schwebt eine Magnetseifenwolke. Rundum Kaiserwetter! So viel Transzendenz ist heute möglich! In Begleitung einer Hegellektüre! Weil ja die sinnliche Gewissheit unmittelbar als reichste Erkenntnis erscheint, für welche im Raume (vulgo Klo!), worin sie sich ausbreitet, keine Grenze zu finden ist.

Na ja. Ist wohl Quatsch, aber so viel Kondeszendenz wenigstens ist heute noch möglich: als gnädige Herabschickung erbaulichen Kleinkrams nämlich. Den man auch noch knipsen muss, damit der Glaube nicht ganz unanschaulich bleibt und auch anderen offenbar werde.

FOTO BERND KRAMER Thomas Kapielskis Aqua botulus und Der Einzige und sein Offenbarungseid sind bei Zweitausendeins erschienen