Selten hat die grüne Gesundheitsministerin Andrea Fischer die Wähler so erschreckt wie in der vergangenen Woche. Aktienbesitzer, Skisportler und kinderlose Ehefrauen sollen höhere Sozialabgaben für die Krankenversicherung zahlen - schon die Auswahl der möglichen Betroffenen roch nach Willkür, nicht nach Konzept. Die allgemeine Empörung war groß, der Kanzler distanzierte sich. Dabei wollte die Ministerin nur ein Problem ansprechen, das offensichtlich ist: Der demografische Wandel wird nicht nur die Rentenversicherung, sondern alle Sozialsysteme nachhaltig erschüttern - und darauf ist die Politik bislang schlecht vorbereitet. Langfristig werden die Einnahmen aus klassischer Erwerbsarbeit zurückgehen. Gleichzeitig werden mit der Zahl alter Menschen die Gesundheitsausgaben steigen. Da ist es nicht abwegig, über eine andere Finanzierung der Solidarsysteme nachzudenken.

Schelte, Groll und Schadenfreude hat Fischer dennoch verdient. Bei ihren Vorschlägen hat sie Sinnvolles so sehr mit Unsinnigem vermengt, dass nun fast jeder mit einer gewissen Berechtigung mäkeln und meckern kann.

Unsinnig sind Risikoprämien für Sportler oder Raucher

immer wieder sind sie zu Recht verworfen worden. Nicht nur praktische Gründe wie der hohe Kontroll- und Verwaltungsaufwand sprechen dagegen

solche Konzepte passen grundsätzlich nicht ins bestehende Umverteilungssystem. Wollte der Staat wirklich die Beitragshöhe ähnlich wie bei Privatversicherungen an das Risiko des Krankheitsfalls koppeln, kann er sich kaum auf Skisportler beschränken.

Frauen müssten zum Beispiel höhere Beiträge zahlen als Männer, weil sie im Durchschnitt länger leben. Berater des Exministers Horst Seehofer schlugen vor Jahren sogar vor, den Kassenbeitrag vom Körpergewicht abhängig zu machen.

Dieses eher absurde Beispiel zeigt die praktischen Probleme solcher Ideen: Wer entscheidet, welche Ernährungs-, Schlaf- und Lebensgewohnheiten als Gesundheitsrisiko gelten?