die zeit: Herr Krull, seit 1996 sind Sie Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung - ein Posten, auf dem man einen Juristen oder Betriebswirt erwarten würde. Sie aber sind promovierter Germanist. Wie wird ein Germanist zum Wissenschaftsmanager?

Wilhelm Krull: Bei mir war das eine Entwicklung weg von der Fachdisziplin hin zur interdisziplinären Arbeit. Ich habe Germanistik, Philosophie, Erziehungswissenschaften und Politik studiert und in Germanistik promoviert, arbeitete dann als Lektor in Oxford. Erst als ich von dort zurückkehrte, begann ich im Bereich Wissenschaftspolitik zu arbeiten. Zunächst im Wissenschaftsrat, später in der Zentrale der Max-Planck-Gesellschaft in München als Leiter der Abteilung für Öffentlichkeit, Internationales, Forschungspolitik und Recht - mit der Germanistik hatte ich da natürlich nichts mehr zu tun.

zeit: Waren Studium und Promotion verlorene Zeit?

Krull: Gar nicht. Dort habe ich gelernt, fachübergreifend zu arbeiten.

Geisteswissenschaftler sind ja in der Regel Generalisten. Ihre Querschnittsausbildung befähigt sie zu ganz unterschiedlichen Tätigkeiten.

Zunehmend dringen Geisteswissenschaftler auch in klassische juristische Domänen wie die öffentliche Verwaltung ein und sorgen dort für ein etwas offeneres Denken.

zeit: Welche Tipps für ihren Berufsweg geben Sie jungen Geisteswissenschaftsstudenten?