Wenn das Morgenlicht durch die Jalousien sickert, und er hinter dem Fenster die Autos die Walddörfer Straße in Hamburg-Wandsbek hinunterfahren hört, ist dies für ihn ein Ort, der ebenso gut ist wie jeder andere, an dem er geboxt hat. Wo er boxt, sind die Orte immer gut, und was geht es ihn an, wie die Straße heißt, an der er seit drei Wochen morgens aufwacht. Für Timothy B. Hillie ist es ein Irgendwo im Nirgendwo, das von vier Ringpfosten mit Spannseilen zusammengehalten wird.

Über den kurzen Flur, an dem Duschräume und Toilette liegen, blickt er von seinem Quartier genau auf den Ring im Gym. Und so lebt er mal wieder Tür an Tür mit dem Mittelpunkt seines Lebens. Vorübergehend. Sein Boss in der Straßenbaukolonne in Washington hat ihm für die vier Wochen frei gegeben, in denen Hillie als Sparringspartner Dariusz Michalszewski auf seinen Weltmeisterschaftskampf gegen Graziano Rocchigiani am 15. April vorbereiten soll. Wie dieser ist er Rechtsausleger, und er kann seinen Kampfstil imitieren. Vier Wochen Sparring, bei freier Unterkunft im Gym, 1000 Dollar die Woche Gage plus 600 Mark Essengeld. So viel kann er beim Straßenbau in Washington nicht verdienen.

Manche Leute neigen dazu, Sparringspartner für lebende Sandsäcke zu halten.

Timothy B. Hillie würde dich auf eine solche Bemerkung hin aus seinen trägen Südstaatleraugen fixieren und mit dem ebenso trägen Saxofonsound seiner Stimmbänder fragen: You mean me? Und du würdest das Gesagte gern zurücknehmen.

Was soll Ehrenrühriges daran sein, wenn ein anderer, dessen Name dick als Hauptkämpfer auf den Plakaten angekündigt wird, ihn dafür bezahlt, dass er sich von ihm schlagen lässt? Sparringspartner ist schließlich keine Identität. Es ist ein Job. Und Hillie ist Boxer, obwohl sein letzter Kampf gut zwei Jahre zurückliegt. In Washington gibt es ein Gym, da trainiert er mit seinen 36 Jahren junge Fighter.

Als seine Karriere im Ring zu Ende war, stand sein Kampfrekord bei 23-4-1 (23 Siege, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden). Doch was heißt zu Ende. Ich liebe Boxen, sagt er. Ich liebe es zu kämpfen. Kämpfen ist für ihn gleichbedeutend mit erwachsen zu werden, sich durchzusetzen, jemand zu sein.

Wenn du auf der Straße aufwächst wie ich, bist du immer in Schwierigkeiten.