Finanzminister gelten gemeinhin als gescheite Menschen. Sie können lesen und schreiben sowie, im Vergleich zum durchschnittlichen Homo politicus, auch leidlich rechnen.

In Europa freilich genügte das Einmaleins noch nie. Dort müssen die Kassenwarte der Nationen regelmäßig nachsitzen und die Axiome kontinentaler Steuerpolitik lernen. Die lauten (1.) "15-mal ja heißt ja" und (2.) "14mal ja ergibt nein". Denn (3.) "Einmal nein ist nein" in der EU.

Diese destruktive Macht des nationalen Vetos ereilt Europas Finanzminister stets, sobald sie sich im Kampf gegen internationale Steuerflucht an einer EU-weiten Abgabe auf Zinserträge versuchen. Zwar kann sich jeder an den Fingern einer Hand abzählen: Was Europa dem Faktor Kapital bislang an Last erspart, muss es dem Faktor Arbeit aufbürden (was ergo jeden Arbeitsplatz verteuert). Weil aber letzlich jeder nur für sein eigenes Haushaltsbuch kalkuliert, findet sich immer einer, der mindestens einmal nein sagt - zu jedem Kompromiss.

Daran ändert nichts, dass nun Gordon Brown, der Steuer-Störenfried aus London, etwas nachgibt. Der Brite weiß: Seine Bedingung, im Namen der Zinsbesteuerung demnächst das Bankgeheimnis abzuschaffen, provoziert nur neue Widerstände. Vorerst hat, weil er zuerst protestierte, nun Luxemburgs Jean-Claude Juncker den Schwarzen Peter. So kann es ewig weitergehen - bis die gescheiten Herren endlich klug werden und auf ihr Veto verzichten. Nur Entscheidungen per Mehrheit werden Europa eine Steuerpolitik bescheren, die mehr als ein Nein ist.