Sie hat sich umgebracht, aber sie schweigt nicht. Genau 37 Jahre nachdem die Dichterin Sylvia Plath die Ritzen um ihre Küchentür zustopfte, damit die Kinder keinen Schaden nähmen, und sich vor den Gasherd kniete, sind in England ihre Tagebücher (The Journals of Sylvia Plath, Hrsg. Karen V. Kukil, Faber & Faber, 30 Pfund ) erschienen, und alle Wunden bluten wieder. Ihr Tod ist ein Trauma. Eine waghalsige Dichterin, eine blonde Schönheit, eine Elektroschock therapierte, eine sehnsuchtsvolle Mutter, nur zwei Kinder! Sie setzte sich den Wecker auf drei Uhr nachts, um vor dem ersten Babyschrei zu schreiben. Da war ihr Mann, der Dichter Ted Hughes, schon zu Ruhm und neuen Frauen weitergezogen. Sylvia Plath ist Kult - und Hassobjekt für Feuilletonisten, die sensibel bemerkten, was da verhandelt wurde, das ganze Patriarchat! Und dann war alles doch ein bisschen anders.

Ted Hughes, der alle Vorwürfe schweigend ertragen hatte, hatte posthum Birthday Letters veröffentlichen lassen (1998), ein Liebespoem über seine Jahre mit S. P., mit Einfühlung und Schmerz geschrieben. Dort stand: "The dream you hunted for, the life you begged/ To be given again, you would never recover, ever./ Your journal told me the story of your torture."

Der Traum unerreichbar, das Tagebuch eine Geschichte der Folter. Im Tagebuch steht, wie sie Kochbücher studiert, um ihren Mann kompetent zu bekochen.

Derweil er dichtet. Sie träumt vom Dichten, er gewinnt Preise. Sie wird krank, und nun kocht er, für sie! Sie schreibt

"Ich wende mich Ted ganz zu, der so nah und warm und teuer ist, wie man es nur sein kann, näher, wärmer, liebevoller, als ich je zu mir war ..." Solche und andere Überraschungen, darüber werden sich nun alle beugen. Wie heißt es in ihrem Gedicht Lady Lazarus? "Die erdnußknabernde Menge/ drängt herein zu sehen,/ wie sie mir Hand und Fuß auspacken - - / Der große Striptease./ Meine Herren, meine Damen,"