Seine Geschwindigkeit macht schwindelig. Alles muss klappen, sagt er, sofort.

Dieser Mann liebt das Tempo. Und lebt das Tempo. Er ist 25 Jahre alt. Geboren in Neu-Delhi. Aufgewachsen in Sydney, Katmandu und Moskau. Er hat in Wien und Boston Hotelmanagement studiert, für Disney in Orlando gearbeitet. Heute ist er Butler im Berliner Hotel Riz Carlton. Nein, Amit Arora ist nicht irgendein Butler. Er ist Technologie-Butler. Einer, der Geschäftsleuten aus der Klemme hilft, der besorgt, was fehlt, der rettet, was abstürzt. Ein Mann für alle Fälle, auch für Extremfälle.

Der letzte Extremfall sah so aus: Ein Banker aus Kalifornien kam ins Hotel, abends, gegen 20 Uhr. Der Herr betrat sein Zimmer, schloss seinen Laptop an, um noch einmal das Marketing-Konzept zu studieren, das er am nächsten Morgen Managern präsentieren sollte. Es ging um Millionen. Dollar. Als der Gast die Datei aufrufen wollte, schossen ihm Schweißperlen auf die Stirn. Bilder, Grafiken, Texte, alles verschwunden. Amit Arora hat den Banker beruhigt. Er hat den ausgedruckten Vortrag und die Telefonnummer des kalifornischen Unternehmens entgegengenommen und ihm eine gute Nacht gewünscht. Den Text mussten wir noch einmal erfassen und die Grafiken neu erstellen, sagt Amit Arora, die Bilder haben sie uns aus Kalifornien per E-Mail geschickt. Bis zum Frühstück war der Computer-GAU behoben.

Die High-Tech-Zeiten haben das Hotelleben verändert. Als Geschäftsleute noch mit Diktiergerät unterwegs waren, reichten Bett, Frühstück und ein Telefon im Zimmer. Heute hat jeder seine Bürotechnik dabei, sagt Amit Arora, da dürfen Hotelangestellte nicht mit den Schultern zucken, wenn jemand nach einem TAE-Stecker fragt. Führende Hotels setzen entsprechendes Personal inzwischen als Imageträger ein: Der Technologie-Butler steht für die Qualität des Hauses und wird zum Inhalt der Werbebotschaft. Nur die Bezeichnung variiert. Im Berliner Grand Hyatt heißen sie Technologie-Concierge und im Münchner Hotel Bayerischer Hof nennt man sie ganz einfach EDV-Profis.

Der Technologie-Butler ist die Antwort auf den Boom der Branche: Geschäftsreisende lassen die Hotel-Sterne strahlen. Der Tagungstourismus läuft auf Hochtouren, meldet die Fachpresse. Seit Mitte der neunziger Jahre steigen die Einnahmen der Luxushotels stetig, seit 1998 um jährlich rund fünf Prozent. Im Hotel Bayerischer Hof hat man sich gleich ein Business-Center ins Haus geholt. Das Unternehmen arbeitet auf eigene Rechnung. Vermietet Büroräume mit modernster Technik, besorgt Sekretärinnen und Dolmetscher oder organisiert Telefon- und Videokonferenzen. Geschäftsleute haben wenig Zeit, sie müssen sich auf jede Dienstleistung verlassen können, sagt Office-Managerin Linda Stüdemann.

Die Idee, Technologie-Butler in Hotels zu beschäftigen, wurde in Asien geboren. Das Berliner Riz Carlton zählt inzwischen vier. Ihr Service ist kostenlos. Selbst der kalifornische Banker musste nichts zahlen. Amit Arora nimmt nicht einmal ein Trinkgeld entgegen. Wenn ihm jemand einen Zwanziger zuschieben will, lehnt er dankend ab und sagt: Empfehlen Sie unser Haus weiter. Das gehört zur Philosophie der Riz-Carlton-Hotels. We are ladies and gentlemen serving ladies and gentlemen, lautet das Credo. Amit Arora sieht man das auch an: Er trägt feinen dunkelblauen Zwirn, sein Benehmen würde jede Schwiegermutter erfreuen, und manchmal spricht er wie einer, der im Silicon Valley das Licht der Welt erblickt hat.

Dieser Beruf ist eine ständige Herausforderung, sagt Amit Arora. Er spricht Deutsch, Englisch und Russisch fließend. Seinen ersten Computer bekam er mit 13 Jahren. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem er sich nicht über neue Programme, Hardware oder Online-Provider informiert. Seine Arbeit beginnt um 8 Uhr 30 mit einer Teamsitzung. Danach werden Mitarbeiter geschult, das System gepflegt und Gästewünsche elektronisch erfasst. Die zahlreichen Stammkunden schätzen es, wenn auf ihrem Bett beim nächsten Besuch unaufgefordert das Rosshaar-Kopfkissen liegt oder morgens eine Bloody Mary serviert wird.