Österreichs Unglück hängt nicht zuletzt an der Sprache man kann es Satz für Satz nachvollziehen. Einige Hauptsätze stammen vom derzeitigen Bundeskanzler Schüssel, der 1999 gesagt hatte: "Eine Zusammenarbeit mit Haider ist deshalb unmöglich, weil für mich Lebensfragen Vorrang haben vor Parteiinteressen.

Eine FPÖ, die die EU ablehnt, die Integration torpediert, den Euro mit Schauergeschichten bekämpft, lehne ich ab. Somit scheidet die FPÖ als Partner aus." Es ist mir egal, dass er - von heute aus gesehen - damals gelogen hat.

Was mich unterhält, ist seine Pose der Entschlossenheit.

Schüssels Regierung hat einen Staatssekretär für Kunstangelegenheiten. Er heißt Franz Morak, war Schauspieler im Burgtheater und ab 1994 "Kultursprecher" der ÖVP im Parlament. Ich betone, dass ich über ihn nichts Schlechtes sagen möchte, weil mir der Hohn zu billig erscheint, den man leicht über ihn ausschütten kann. Auch er war entschlossen. "Es ist bedauerlich", hat er seinerzeit gesagt, "daß Jörg Haider eine ganze Partei und damit eine Million Wähler aus dem demokratiepolitischen Markt nimmt. Ich stehe mit dieser FPÖ für eine Koalition nicht zur Verfügung." Aber er war nicht nur entschlossen. Wunderbar hat er - ich habe es jüngst wieder in einem Film gesehen - vor der Kamera den Ironiker gemimt: Da kann er nur lächeln, immer nur lächeln, Haider und die Kultur, da steht er doch nicht zur Verfügung!

"An Worte läßt sich trefflich glauben, / Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben", sagt bei Goethe der Teufel, und wenn schon von der "Dämonisierung" Jörg Haiders die Rede ist (von der man natürlich ablassen soll), dann darf man darauf hinweisen, dass wenigstens in seinen Reden Haider sich strikt an das mephistophelische Prinzip hält, den Sinn der Sätze auf ihre Wirkung zu reduzieren. Mit Worten kann man trefflich streiten - zum Beispiel gegen den deutschen Journalisten Böhme, der glaubte, gegen einen Haider habe er immer das Sagen. Schnell war Böhme sprachlos.

Es ist ein katastrophaler Schaden für eine Gemeinschaft, wenn ihre Funktionäre sich nicht an das gebunden fühlen, was sie entschieden sagen und gesagt haben. Der Teufel lacht sich dann den Buckel krumm. Was Haider sagte, habe ich jüngst gelesen, in einem Taschenbuch, herausgegeben von Hubertus Czernin: Wofür ich mich meinetwegen entschuldige. Haider, beim Wort genommen.

Haider beim Wort genommen, das ist politische Pornografie. Schon die Wendung: "Wofür ich mich meinetwegen entschuldige": Auf der Metaebene wird dementiert, womit man sich auf der Inhaltsebene Chancen ausrechnet.