Dänemarks Kronprinz Frederik ist ein gut aussehender Mann. Trotzdem muss er in dieser Nacht aufpassen, nicht mit einem Eisbären verwechselt zu werden. Am Nachmittag ist das Expeditionsteam des 31-Jährigen auf frische Bärenspuren im Schnee gestoßen. Jetzt liegen Pistolen und Gewehre griffbereit neben den Schlafsäcken. Wer ins Zelt will, rüttelt nicht an der Plane, sondern ruft vorher laut, damit jeder weiß - ein Mensch, kein Bär.

Seit sieben Wochen ist der Prinz im Eis von Grönland unterwegs. Als Mitglied der Expedition Sirius 2000: Sechs Männer zwischen 30 und 35 Jahren, die meisten aus der dänischen Armee, alle mit Polarerfahrung. Auch der Kronprinz macht da keine Ausnahme. Zur Expedition gehören außerdem: 41 Hunde, 3 Schlitten und 1 Tonne Gepäck. Bis Juni werden sie 3500 Kilometer zurücklegen - von Qanaaq (Thule) im Nordwesten bis Daneborg an der Ostküste. Durch ewiges Weiß, bei bis zu 50 Grad minus.

Der Start hatte sich einige Tage verzögert. In Qanaaq wütete ein Grippevirus und machte auch vor dem Expeditionsteam nicht Halt. Aber am 11. Februar ist es so weit. Die Schlitten sind gepackt, die Hunde vorgespannt. Ussaqaq, der Seehundjäger, ist bereits ungeduldig. Er wird die Expedition auf den ersten Etappen begleiten, und er träumt davon, einen Eisbären zu erlegen. Kronprinz Frederik verabschiedet sich von seiner Freundin Bettina. Die 649 Einwohner von Qanaaq überreichen ihr Abschiedsgeschenk: Anoraks aus Polarfuchs- und Hosen aus Eisbärenfell. Die Gruppe verschwindet in der Düsternis des Polarwinters.

An 24. Februar sehen sie zum ersten Mal die Sonne. Ganz tief hängt sie noch am Himmel. Aber ihr Anblick lässt die minus 37 Grad erträglicher scheinen.

Die Kälte macht Männern und Material zu schaffen: Die Kamera von Fotograf Torben Forsberg ist eingefroren, Offizier Steen Broen Jensen ist ein Zahn gesplittert - beim Versuch ein gefrorenes Gummibärchen zu lutschen. Mit Plastikmasse reparieren seine Kameraden den Zahn.

Vor Tourbeginn untersuchte ein Zahnarzt in Dänemark alle Teilnehmer und zog ihnen vorsichtshalber die Weisheitszähne. Bei der ersten Sirius-Expedition 1950 waren die Vorsichtsmaßnahmen noch strikter gewesen: Damals wurde den Teilnehmern auch der Blinddarm entfernt.

Die Sirius-Patrouillen gehen auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Die beiden dänischen Regierungsvertreter auf Grönland weigerten sich, den Weisungen Kopenhagens zu folgen und sich den Deutschen zu ergeben. Stattdessen richteten sie eine Hundeschlittenpatrouille an der Ostküste ein. Die sollte verhindern, dass die Deutschen dort einen Stützpunkt bauten. Nach dem Krieg wurden die Touren beibehalten, 1950 bekamen sie den Namen Sirius. Mit der Expedition Sirius 2000, an der eben auch der dänische Kronprinz teilnimmt, wird der 50. Jahrestag der gleichnamigen Armeepatrouillen begangen.