Während die Union entschlossen nach vorne blickt, sei hier ein kleiner Rückblick gestattet: in die "Zeit der Hinterzimmer und der Strippenzieher" (Schäuble), mit deren Aufarbeitung derzeit in Berlin ein Untersuchungsausschuss und in Bonn die Staatsanwaltschaft beschäftigt ist.

Wie ist der Stand der Ermittlungen im Spendenskandal?

Wer das veröffentlichte und unveröffentlichte Material zusammenträgt, der kommt zu einem zwiespältigen Befund: Einerseits gibt es auf viele wichtige Fragen plausible Antworten. Andererseits ist nichts gewiss. Denn die wichtigsten Zeugen sind durch ihre Geständnisse so kompromittiert, dass sie andere nicht ernstlich belasten können.

Woher kam das Geld? Horst Weyrauch, der Steuerberater der CDU und der Finanzbevollmächtigte Lüthje, die das System der schwarzen CDU-Kassen angelegt und jahrelang verwaltet haben, sprechen gegenüber der Staatsanwaltschaft wie selbstverständlich von den "Siemens-Millionen". Eine Million Mark im Jahr habe ein Vertreter des Konzerns der CDU schon 1984 versprochen, sagte Lüthje aus. Bedingung: Die Spenden würden vertraulich behandelt.

Für diese Auflage gäbe es eine verständliche Erklärung: Bis in die neunziger Jahre verfügte Siemens in der Schweiz über eine gigantische Schmiergeldkasse, das ist unbestritten. Dass es ein Konto gab, "über das man im Ausland diese nützlichen Ausgaben abgewickelt hat", sei ja bekannt, sagt ein Unternehmenssprecher - wer aber im Konzern darauf Zugriff hatte, das wisse man nicht. So sei "sehr schwer einzuschätzen, ob es da die Möglichkeit für irgendjemanden gab, von diesem Konto Geld für die CDU abzuzweigen".

Ein denkbares Motiv gab es jedenfalls: Die offizielle Politik des Konzerns, nach den Wirren des Flick-Skandals keine Partei mehr zu unterstützen, dürfte nicht jedem im Management gefallen haben. Schließlich musste Siemens allein schon wegen der Atomtochter KWU daran gelegen sein, dass die Ära Kohl möglichst lange währte.

War das die bislang unbekannte Geldquelle der Union? Eine Siemens-Million im Jahr, von 1984 bis 1992, dem Jahr von Lüthjes Ausscheiden - das würde neun der dreizehn Millionen Mark unbekannter Herkunft in den Büchern der CDU erklären. Und womöglich nicht nur sie. Über die Jahre nach 1992 kann der Zeuge Lüthje keine Auskunft geben. Sicher aber ist: Auch in den folgenden Jahren flossen dem CDU-Vorsitzenden Spenden in Millionenhöhe zu.