Ein Land nur, eines, hat ausgeharrt im Widerstand gegen die globalisierte Welt. Im Kampf gegen die Kriegstreiber, die Imperialisten und ihre Kettenhunde. Hat sich verschanzt in seinem Schattenreich der Selbstgenügsamkeit und des Selbstbetrugs. Nun aber öffnet sich plötzlich eine Luke im letzten Bunker des Kalten Krieges. Kapituliert Nordkorea vor der Wirklichkeit?

Mitte Juni will der "Geliebte Führer" Kim Jong II den südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung empfangen, zum ersten Gipfeltreffen im geteilten Land. Wieder einmal sind die Erwartungen groß, endlich werde sich auch die koreanische Halbinsel, zehn Jahre nach dem Epochenbruch in Europa, aus der Angst- und Hassstarre lösen. Und wieder könnten alle Hoffnungen zerstieben - in einem Scharmützel an der Demilitarisierten Zone, einem Feuergefecht im Gelben Meer.

Vielleicht aber meint es Pjöngjang diesmal ernst, ob aus Einsicht oder schierer Not. Das Land liegt am Boden, ausgepowert und ausgehungert. Kim Dae Jungs "Sonnenscheinpolitik" gegenüber dem Norden lockt mit dem Versprechen wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Und so schossen nach der Nachricht vom Gipfel gerade die Aktien der Baukonzerne nach oben. Schließlich ist viel Schutt wegzuräumen in den Ruinen des stalinistischen Widerstandsnestes. In den Köpfen sowieso - und das nicht nur im Norden.