Darf man hier rauchen? Ich bitte sogar darum, sagt K. und schwenkt die große, runde Schale in Richtung Schalthebel. Endlich mal ein Aschenbecher, der für beide Parteien gut zu erreichen ist. Wir kramen in unseren Taschen und stoßen mit den Ellenbogen aneinander. Zwei Männer in Winterjacken - da kann es schon mal eng werden. Gut, dass wir beide nicht von übermäßiger Leibesfülle sind. Wenn jetzt zwei Metzgermeister nebeneinander säßen, würden sich die Türen beulen.

K. ist schneller. Also rauchen wir seine moderne Leichtsorte und stellen die Sitze ganz nach hinten. Unsere Füße befinden sich noch immer auf Höhe der Vorderachse. Doch haben wir aus dieser Perspektive annähernd so viel Auto vor der Nase wie in anderen Wagen auch. Hinten kommt nach dem Steiß gleich die Stoßstange. K. behauptet, da passten noch zwei Kästen Bier und zwei Kästen Wasser hin. Und wenn man den Beifahrersitz umlege, reiche der Stauraum sogar für einen kleinen Besuch bei Ikea. Aber wir wollen nicht über einen Monatsvorrat an Teelichten diskutieren. K. und seine junge Multimedia-Agentur sind zukunftsorientiert und immer auf dem Sprung. Wie ihr Firmenwagen. Jeder Kanaldeckel ein kleiner Hüpfer.

In die Brennkammern des Dreizylinders unter unseren Gesäßen passen etwa drei Tassen Kaffee. Als K. mal kurz seinen inneren Schumi rauslässt, um eine grüne Ampel zu erwischen, treibt die munter schaltende Sechsgangautomatik das Aggregat an seine Grenze. Es klingt, als würde der Kaffee gleichzeitig gemahlen und gekocht. Um bis zur - elektronisch abgeregelten - Höchstgeschwindigkeit von 135 Stundenkilometern zu gehen, braucht es Mut.

Mittlerweile fahren Smarts bis ans Nordkap, sagt K. Die Leute verrenken sich nicht mehr den Hals. Auf der Straße hat man immer noch die Kaspermütze auf. Aber das hat eigentlich nur Vorteile. Zum Beispiel bist du für andere Autofahrer kein ernst zu nehmender Konkurrent. Du weckst eher Beschützerinstinkte. Verhaltensforscher sprechen vom Kindchenschema. Das erfüllt der Smart perfekt: Nicht nur sieht die Frontseite aus, als müsste man dem Kleinen statt der Zapfpistole die Flasche geben. Wer mit einem Smart auf Kollisionskurs geht, muss auch befürchten, den Insassen direkt in die Knochen zu fahren - und demnächst vielleicht tatsächlich Kinder zu gefährden: Wenn der Hersteller sich durchsetzt, dürfen schon 16-Jährige ans Steuer, und in deutschen Innenstädten müssen neben Bus- auch Krabbelspuren eingerichtet werden.

Wie gut gepampert verläuft schon jetzt die Parkplatzsuche. K. setzt zurück, und wir stehen quer zum Bürgersteig. Die STVO untersagt das - doch diesen goldigen Moment wird sich kaum ein Smart-Fahrer entgehen lassen.

Zehlendorf, Kreuzberg, Neukölln. Nach etwas mehr als einer Stunde sind wir beim Japaner in Schöneberg und finden sogar eine legale Abstellmöglichkeit, kaum größer als eine Besenkammer. K. will den Schlüssel abziehen. Doch seine Hand greift mal wieder ins Leere - etwa so wie nach einer Weile in einem Automatikwagen, wenn der linke Fuß noch immer die Kupplung sucht. Schräg rechts unterhalb des Lenkrads, wo gewöhnlich das Zündschloss sitzt, glänzt beim Smart nur das Hartplastik der Lenksäulenverkleidung. Der Schlüssel steckt hinterm Schalthebel.

Blinkt er nicht freundlich zum Abschied?, fragt K., als er mit der Fernbedienung abschließt. Drinnen bestellen wir niedliche kleine Reisrollen mit rohem Fisch. Beim Essen überlegen wir, wie lange es wohl noch dauert, bis die Menschheit in solarbetriebenen Aluminiumzäpfchen durch die Luft saust.