Die Amtskirche schaltete sich ein. Der Propst von Neumünster Richard Karl Steffen (1896 bis 1994) setzte sich jahrelang für Biberstein ein - mit Erfolg. Am Jahrestag der deutschen Kapitulation, am 8. Mai 1958, wurde Biberstein freigelassen. Danach sagte Steffen, Biberstein habe die Inhaftierung "in vorbildlicher Haltung durchgestanden, und zwar im wesentlichen gehalten durch Gottes Wort und Sakrament und durch seinen in der Tiefe gereiften lebendigen Christusglauben". Steffen war sich sicher: "Nach meiner Überzeugung ist B. kein Verbrecher." Er belehrte sogar die Öffentlichkeit: "Wir sollten doch auch sehr vorsichtig sein in der Verwertung der Nürnberger Prozeßakten." Und selbst wenn Biberstein zu Recht verurteilt worden sei: "Sollten wir nicht auch vergeben können?"

Spätestens seit Mitte der fünfziger Jahre kümmerte sich Steffen um Biberstein. Dieser hatte in der Woche vor Weihnachten 1955 den Präsidenten des schleswig-holsteinischen Landeskirchenamtes in einem Brief um Unterstützung durch die Vermittlung eines Arbeitsplatzes innerhalb der Kirche gebeten: "Gedacht hatte ich an eine Bürotätigkeit als Angestellter, im Bereich der Inneren Mission oder im Bereich des Kirchl(ichen) Archivwesens."

Als den Mann seines Vertrauens nannte der Inhaftierte Propst Steffen.

Ein Jahr später besuchte Steffen auf Kosten der Landeskirche den Gefangenen in Landsberg und führte zwei lange Gespräche mit ihm, über die er einen eng geschriebenen fünfseitigen Bericht verfasste. Steffen betonte darin, dass die in Landsberg Inhaftierten für die Bundesregierung nicht als Kriegsverbrecher galten, sondern sogar mit Sachspenden aus Bonn unterstützt würden. Er übernahm ohne weitere Überprüfung Bibersteins Behauptung, dass es in seinem Einsatzkommando keine Massenerschießungen gegeben habe - "wohl aber während der Zeit seines Vorgängers". Für Steffen lag der Fall klar, ein humaner Akt war gefordert: "Wir haben die Pflicht, uns seiner anzunehmen und er ist es wert. Vielleicht haben wir dabei doch auch etwas wieder gutzumachen, was wir bisher versäumt haben."

Damit Biberstein freikam, hatte Propst Steffen eine Bürgschaft für ihn übernommen. Das Landeskirchenamt stellte 2500 Mark bereit, um ihm eine befristete Beschäftigung zu ermöglichen. Die Propsteikasse Neumünster gab noch einmal 1948,16 Mark dazu, sodass Biberstein von seiner Entlassung bis zum Jahresende beschäftigt werden konnte und den Anschluss an die Arbeitslosenunterstützung erreichte. Später arbeitete er als Angestellter in der Privatwirtschaft

er starb 1986 in Neumünster.

Amtsbruder und SS-Kamerad Steffen bleibt bis 1966 Propst