Die Erleichterung der Befürworter von Hans Haackes Erdkunstwerk, das nun im Reichstag errichtet werden wird, hat etwas Befremdliches: Eine Blamage des Parlaments vor der Kunstwelt sei vermieden worden. Offenbar sieht mancher das ästhetische Urteil als Benimmfrage. Freut sich auch jemand um des Werkes willen? In der Debatte hatten die Haacke-Freunde außer Phrasen über das "Verstörende" der modernen Kunst kaum Gewinnendes zu sagen. Man zog sich aufs Prinzipielle zurück: Kunst sei nicht abstimmungsfähig, schon beim Versuch drohe Peinlichkeit. Die Debatte hat dies gründlich widerlegt. Eine Peinlichkeit, die den Abstimmungssiegern offenbar nicht bewusst ist, aber bleibt: Es war eine Strategie der Einschüchterung, die den Sieg für das vermeintlich basisdemokratische Kunstwerk brachte. Autoritäres Gefuchtel mit unangreifbaren "Expertenmeinungen", latente Drohung mit dem Ruch des Banausentums und gar des Rechtspopulismus (Süssmuth) - das waren die Mittel der siegreichen Seite im Meinungskampf. Sie desavouieren den liberalen Geist, dem hier angeblich das Wort geredet wurde.