Segensreich ist die Arbeit mit der Workbench bestenfalls für Kunden und Übersetzungsbüros - und auch dies nur aus finanzieller Sicht. Für den Übersetzer und auch für die Qualität der Übersetzung hat diese neue Entwicklung ausschließlich Nachteile: Die Workbench ist eine Art Vampir, der den Übersetzer aussaugt, mit dem Ideal, ihn demnächst völlig überflüssig zu machen.

Die übersetzten Textsegmente werden in einen elektronischen Speicher überführt, wo sie für zukünftige Übersetzungen bereitgehalten werden: Einmal übersetzte Segmente können also für alle Zeiten weiterverwendet werden, werden aber nur einmal zum vollen Preis bezahlt, während danach nur noch eine Überarbeitungsgebühr fällig wird. Die Arbeit an Textsegmenten verhindert zudem eine flüssige Übersetzung und erschwert jede nachträgliche Korrektur

die Tätigkeit wird zunehmend anspruchslos, wird doch eine Kunst zur Dienstleistung degradiert

einen eigenen Stil kann der Übersetzer kaum noch entwickeln.

Ferner sinkt das Einkommen des Übersetzers, während die Arbeit an sich unübersichtlicher und - entgegen anderslautender Behauptungen - zeitaufwendiger wird. Das Erbärmlichste aber ist, dass die Workbench eben kein "Werkzeug" ist wie etwa das Wörterbuch oder der Referenztext, sondern sie macht den Übersetzer zum Werkzeug und gibt selbst den Ton an.

Michael Zdrenka, Bonn