Bei DuPont haben wir ein ziemlich ausgeklügeltes Konzept der Personalentwicklung. Es nennt sich targeted development und wird in Deutschland seit 1993 angewendet. Grundgedanke des Konzepts ist es, dass der Mitarbeiter selbst für seine Entwicklung verantwortlich ist. Früher war in erster Linie der Vorgesetzte für die Karriere seiner Mitarbeiter zuständig.

Aber das passt nicht mehr in die heutige Zeit, weil die Veränderungsprozesse im Unternehmen viel schneller geworden sind. Das führt dazu, dass wichtigere Positionen in relativ kurzen Abständen neu besetzt werden. Eine Art Faustformel unseres Unternehmens lautet: Jeder Mitarbeiter sollte innerhalb von etwa drei Jahren einen neuen Chef bekommen

entweder wird er selbst versetzt oder der Chef. Bei diesem Tempo des Wechsels kann ein Vorgesetzter die Karriereverantwortung für seine Mitarbeiter doch überhaupt nicht mehr übernehmen.

Wir glauben, dass der Mitarbeiter Stärken und Defizite am besten selbst erkennen kann. Er muss seinen eigenen Job ständig mit ähnlichen Jobs in anderen Unternehmen vergleichen und seine Arbeitskraft permanent so gut wie möglich verkaufen.

In einem zweitägigen Workshop stellen wir unseren Mitarbeitern das Konzept targeted development vor und helfen ihnen beim Entwurf des eigenen Entwicklungsplans. Der Plan soll ein living document sein, das jeden Tag verändert werden kann. Da schreibt man seine persönlichen Interessen hinein, was man gerade macht, ob man das gern macht, welche Ziele man für das Unternehmen erreichen will, welche Perspektiven man für sich sieht. Man erstellt auch eine Art self-assessment: Wo liegen meine Stärken? Wo ist noch Entwicklungsbedarf? Der Entwicklungsplan ist Grundlage für regelmäßige Gespräche mit dem Coach, dem Vorgesetzten, der selbst eine Einschätzung des Mitarbeiters vornimmt. Selbst- und Fremdeinschätzung werden in den Gesprächen dann abgeglichen. Bei großen Differenzen hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, online bis zu zwölf Kollegen oder Kunden um eine Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zu bitten. Die Antworten werden dann von einem externen Institut ausgewertet und dem Mitarbeiter in anonymisierter Form als Bericht zugestellt. Alles in allem ist diese Methode ein sehr gutes Korrektiv. Die Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung ist in den vergangenen Jahren wesentlich größer geworden.

Personalentwicklung ist ein dynamischer Prozess. Uns kommt es dabei weniger auf den Titel an, den jemand mitbringt, als auf die Fähigkeiten, die er im Laufe seines Berufslebens erworben hat. Die größte Herausforderung für Unternehmen und ihre Mitarbeiter besteht darin, schnell zu lernen. Auf seinem Wissen kann sich niemand mehr ausruhen.