Sylvester Stallone war verstimmt. Der Star hatte beim Nobel-Italiener Coco Pazzo in Manhattan drei Weine des Edelwinzers Gaja geordert, darunter ein Sori San Lorenzo 1982 für 1000 Mark die Flasche. Rambo schnupperte - und ließ alles zurückgehen: Die Tropfen hatten angeblich "Kork".

Verantwortlich für den stechend-muffigen Geschmack im Wein sind Bakterien und Pilze im Korken. Sie hausen in dessen zahllosen Poren und produzieren besonders penetrante Chemikalien wie Trichloranisol. Drei Milliardstel Gramm davon können einen Liter Wein verderben.

Nun könnte damit Schluss sein. In Zukunft sollen die Korken durch Plastik- und Metallverschlüsse ersetzt werden, oder sie werden vor ihrem Gebrauch von den Muff-Mikroben befreit. Deutsche Forscher haben ein Verfahren entwickelt, das die Bakterien und Pilze mit Mikrowellen killt. Genau wie eine Haushaltsmikrowelle das Wasser im Kochgut erhitzt, so bringen diese Wellen das Wasser in den Zellen der Pilze und Bakterien zum Sieden, sie garen im eigenen Saft. Nebenbei sollen geschmackstrübende Stoffe verdampfen.

Bisher waren Versuche, Kork durch Hitze zu sterilisieren, an dessen wärmeisolierender Eigenschaft gescheitert. Der Naturstoff erwärmt sich in seinem Inneren nur bis zu 50 Grad, dabei können sich seine unerwünschten Gäste dort sogar vermehren. Sterilisationsversuche mit Chlor produzierten sogar mehr Fehltöne im Wein - die Mikroben nutzten das Gas zur Synthese des widerlichen Trichloranisols.

Doch nun geht es diesem Geschmacksverderber an den Kragen. Eine von der EU geförderte Pilotanlage namens Delfin (Direct Environmental Load Focused Inactivation) hat in Spanien und Portugal bereits Millionen Korken produziert - alle einwandfrei. Selbst stark verseuchte Korken aus bisheriger Produktion "kamen heraus wie der reine Frühling", schwärmt Projektleiter Jens Jäger von der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Weinbau in Neustadt.

Die beiden größten Erzeugerländer von Korken, Portugal und Spanien, liefern 90 Prozent aller Verschlüsse - und haben bereits sechs Anlagen aus Deutschland geordert. Im Frühjahr kommen die ersten Antimuffkorken auf den Markt - erkennbar an einem aufgedruckten Delfin.

Die benötigten Mikrowellentunnelöfen sind jedoch groß und teuer. Und auch sie können die Mikroben nicht völlig verdampfen. Denn Kork braucht einen Restwassergehalt, um elastisch zu bleiben. Zudem sind die Korkplatten unterschiedlich dick. Das erschwert eine exakte Dosierung der Mikrowellen.